40 Jahre völlig abgeschieden: Wie diese Familie fernab der Welt überlebte

 

Stellen Sie sich vor: 40 Jahre lang kein Handy, kein Internet, keine Nachbarn – nur Familie, Wald und das pure Überleben. Klingt wie ein Aussteiger-Traum oder plötzlich doch eher wie ein Alptraum? Willkommen bei den Lykovs! Die Geschichte dieser russischen Familie liest sich wie ein Märchen aus einer anderen Zeit – doch sie ist so real wie das Rauschen des sibirischen Waldes.

Mitten im Nirgendwo: Das Leben der Lykov-Familie in absoluter Abgeschiedenheit

Tief verborgen in den endlosen und dichten Wäldern Sibiriens begann die unglaubliche Odyssee der Lykovs. Ihre Geschichte würde heute wohl kaum jemand glauben, wäre sie nicht von einer Gruppe sowjetischer Geologen vor rund vierzig Jahren dokumentiert worden. Als diese zufällig auf das versteckte Zuhause der Lykovs stießen, wurde der Familie nach vier Jahrzehnten erstmals wieder bewusst, dass es da draußen noch eine Welt gibt. Gut versteckt – quasi, wie ein Wald-Yeti, aber mit Familie und Bibel!

  • Karp Lykov, das Familienoberhaupt, floh in den 1930er Jahren mit seiner Frau Akulina und den Kindern Savin und Natalia tief in die Taiga, um einer brutalen Verfolgung zu entkommen – sein Bruder war von sowjetischen Soldaten getötet worden.
  • Später wurden in der Wildnis zwei weitere Kinder geboren: Dmitry und Agafia. Ein klassisches Familienleben – halt ohne Nachbarn, Fernsehabend und Kaffeeklatsch.

Überleben am Limit: Erfindungsgeist und eiserner Wille

Die Lykovs lebten am Rande der Gesellschaft, oder eher: jenseits jedes Randes. Kleidung? Aus Hanf und Baumrinde selbstgemacht. Nahrung? Was die Natur hergibt, oft am Rande des Hungers. Luxus? Ein altes Familienbibelchen und ab und zu mal zur Abwechslung auf die Jagd gehen. So schlicht das Leben auch war, es zeugte von bemerkenswerter Widerstandskraft – von Fastenzeit bis Alltagsroutine, alles war Überlebenskampf.

Bemerkenswert dabei ist: Die heranwachsenden Lykov-Kinder – vor allem die in der Wildnis Geborenen – wussten rein gar nichts von der Welt außerhalb ihres Walddomizils. Der Zweite Weltkrieg? Ein Fremdwort. Fremde Menschen? Nie gesehen. Ihre Realität endete dort, wo die Baumgrenze den Horizont verschluckte.

Erste Begegnung mit der Außenwelt – und tragische Folgen

Als die Lykovs durch die sowjetischen Geologen „entdeckt“ wurden, stand ihre Geschichte im Rampenlicht. Doch den Trubel wollten sie nicht: Die Familie blieb zurückgezogen. Leider kostete ihre Entscheidung, weiter in Abgeschiedenheit zu leben, die meisten von ihnen innerhalb weniger Jahre nach der Entdeckung das Leben. Karp Lykov selbst wurde immerhin stolze 90 Jahre alt und verstarb 1988 – immerhin ein biblisches Alter, passt zur Familienlektüre.

Verblieben ist heute nur noch die jüngste Tochter, Agafia, die weiterhin einsam (aber offenbar zufrieden) ihren Platz im unbarmherzigen siberischen Forst behauptet. Sie lebt, so heißt es, mittlerweile etwas komfortabler – wie komfortabel das in der Taiga sein mag, bleibt wohl ihr Geheimnis.

Was bleibt von dieser Geschichte?

Agafia Lykovs fortgesetztes Leben in der Taiga ist ein lebendiges Symbol – ein Anstoß für Nachdenken über das, was im Leben wirklich zählt. In einer Welt, die von ständiger Vernetzung lebt und in der das nächste Ladekabel meist näher ist als das nächste Waldstück, hält uns die Geschichte der Lykovs einen Spiegel vor:

  • Was brauchen wir wirklich, um zu überleben, und was schleppen wir nur aus Gewohnheit mit?
  • Welche Alltagssorgen nehmen wir vielleicht zu wichtig, während anderswo der Lebenswille selbst den härtesten Winter überdauert?

Die radikale Isolation der Lykovs ist eher seltenes Extrem als nachahmenswertes Vorbild. Doch ihre Geschichte ruft uns ins Gedächtnis: Manchmal liegt das Besondere im Einfachen – und manchmal ist Familie alles, was man wirklich hat. Ob das nun in einer sibirischen Blockhütte oder in Austin, Texas ist – wie bei Sarah Jensen, unserer amerikanischen Web-Content-Autorin – entscheidend ist am Ende, wie wir unsere Geschichten erzählen. Die der Lykovs bleibt jedenfalls unvergessen.

 

Clara Hoffmann
Verfasst von Clara Hoffmann

Clara Hoffmann ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt auf Gesellschaft, aktuelle Themen und Psychologie. Sie analysiert gesellschaftliche Entwicklungen, zwischenmenschliche Fragen und die psychologischen Hintergründe des Alltags mit Klarheit und Feingefühl.

Sorry, no posts were found.