Drama in Florida: Universitäten dürfen keine ausländischen Arbeitskräfte mehr einstellen

 

Drama pur im Sonnenstaat: Während man in Florida die schönsten Strände genießt, tobt ein politischer Sturm um die Zukunft ausländischer Fachkräfte an Universitäten. Der Gouverneur höchstpersönlich hat zur Visajagd geblasen – aber darf er das überhaupt?

Der Traum von „Make America Great Again“ in Florida

Ein alter Slogan, ein klarer Kurs: Ganz im Geiste von Donald Trump steht Ron DeSantis, Gouverneur von Florida, an vorderster Front, wenn es darum geht, Arbeitsplätze speziell für US-Bürger zu reservieren. Sein Ziel: Schluss mit den H-1B-Visa, die ursprünglich dazu geschaffen wurden, besonders qualifizierte und spezialisierte Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben. Am Mittwoch, dem 29. Oktober, forderte er die Bildungsbehörden des Bundesstaates auf, den Gebrauch dieses Visatyps an Hochschulen zu beenden.

Sein Argument? In einer Pressekonferenz an der University of South Florida in Tampa legte DeSantis nach, indem er konkrete Beispiele nannte: Warum sollte ein spanischer Assistenztrainer im Schwimmen, ein chinesischer Professor für öffentliche Politik oder ein kanadischer Grafikdesigner in Stellen arbeiten, die seiner Ansicht nach Amerikanern vorbehalten sein sollten? „Sie machen wohl Scherze? Können wir in diesem Land keinen eigenen Assistenztrainer im Schwimmen ausbilden?“, donnerte er.

Ein teurer Trend und das Aufwärmen alter Rezepte

Der floridianische Angriff auf H-1B liegt klar auf Trumps Linie: Schon seit dem 19. September hatte Ex-Präsident Trump die Kosten dieses Visums von rund 2.000 auf satte 100.000 Dollar pro Person steigen lassen. Das erklärte Ziel: Die Einstellung ausländischer Arbeitnehmer verlangsamen und das Augenmerk auf heimische Talente lenken. Handelsminister Howard Lutnick bekräftigte im September gemeinsam mit dem Präsidenten: „Wenn Sie jemanden ausbilden wollen, dann nehmen Sie einen Absolventen einer großen amerikanischen Universität. Bilden Sie Amerikaner aus, hören Sie auf, Ausländer zu holen, die unsere Jobs nehmen.“ Große Unternehmen stünden dieser Linie laut Lutnick durchweg positiv gegenüber.

Doch die Experten schlagen Alarm. Der New York Times zufolge könnte eine Einschränkung der H-1B-Vergabe nicht nur das Lehrniveau, sondern auch die Forschung an den Universitäten beschädigen. Lynn Pasquerella, Präsidentin der American Association of Colleges and Universities, warnt: „H-1B-Visabeschränkungen in Florida gefährden das öffentliche Ziel der Hochschulbildung im Bundesstaat, da dadurch die Fähigkeit, die besten Lehrkräfte, Forscher und internationalen Studierenden zu rekrutieren und zu halten, stark eingeschränkt würde.“ Charles Lee Isbell Jr., Kanzler der Universität von Illinois in Urbana-Champaign, ergänzt: „Die Einstellung weniger qualifizierter Kandidaten schwächt das leistungsbezogene Auswahlprinzip und gefährdet die akademische Exzellenz.“

Wer hat eigentlich das Sagen?

Allerdings hat auch ein Ron DeSantis keine absolute Macht. Die heiß begehrten H-1B-Visa werden nämlich vom Bund vergeben und können vom Bildungsrat Floridas nicht einfach gestrichen oder abgeschafft werden, wie Lynn Pasquerella präzisiert. Was möglich ist: Der Bundesstaat kann eigene politische Regelungen anpassen, beispielsweise aufhören, selbst für Programme oder Arbeitsstellen solche Visa zu sponsorn.

Die juristische Lage bleibt spannend, denn eine solche Maßnahme würde laut Pasquerella mit hoher Wahrscheinlichkeit vor Gericht landen.

Zahlen, Fakten – und offene Fragen

Für das laufende Jahr wurden etwa 400 H-1B-Anträge für die zwölf staatlichen Universitäten in Florida genehmigt – allein 156 für die University of Florida, so das Heimatschutzministerium. Zum Vergleich: Die University of Washington in St. Louis beschäftigt über 700 Mitarbeitende mit H-1B-Visum, die laut eigener Aussage „einen wesentlichen Beitrag in Lehre, Spitzenforschung und Patientenversorgung leisten“, wie die New York Times berichtet.

Letztlich läuft die Debatte auf eine Grundsatzentscheidung hinaus:

  • Sollen die qualifiziertesten Bewerber eingestellt werden – egal ob national oder international?
  • Oder ist eine einseitige Bevorzugung amerikanischer Bewerber aus ideologischen Gründen angezeigt – auf Kosten des Niveaus?

Fazit: Der Versuch, nur auf die eigene Kraft zu setzen, kann den wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Wettbewerb schwächen – davon sind viele Experten überzeugt. Ob Florida künftig Forscher und Lehrende aus aller Welt willkommen heißt oder die Visabrücke einklappt, wird sicher nicht nur an den Gerichten entschieden. Auch die Qualität im Hörsaal und Forschungslabor dürfte Zeuge dieses „Dramas in Florida“ werden. Bleibt zu hoffen, dass wissenschaftliche Exzellenz und Weltoffenheit nicht auf der Strecke bleiben – denn Schwimmtrainer brauchen vielleicht weniger Schwimmflügel, aber sicher keine politischen Scheuklappen.

 

Clara Hoffmann
Verfasst von Clara Hoffmann

Clara Hoffmann ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt auf Gesellschaft, aktuelle Themen und Psychologie. Sie analysiert gesellschaftliche Entwicklungen, zwischenmenschliche Fragen und die psychologischen Hintergründe des Alltags mit Klarheit und Feingefühl.

Sorry, no posts were found.