Bangladesch schockiert: Warum verzichtet das Land auf europäische Kampfjets?

 

Bangladesch sorgt aktuell für großes internationales Stirnrunzeln: Nach Monaten der Spekulation und diplomatischen Verflechtungen verabschiedet sich das Land offenbar von europäischen Kampfjets wie dem Rafale und dem Eurofighter Typhoon – und setzt stattdessen auf ein chinesisches Modell. Wie konnte es dazu kommen? Und was steckt hinter dieser Richtungsentscheidung am Ganges?

Ein langer Entscheidungsprozess im Schatten geopolitischer Rivalitäten

Vor kurzem stand Bangladeschs Luftwaffe, traditionell aus etwa dreißig betagten chinesischen Chengdu F-7 (quasi MiG-21 in Panda-Version) und einigen russischen MiG-29 bestehend, vor einem dringenden Modernisierungsschritt. Zwei europäische Kandidaten wurden intensiv geprüft: der französische Rafale von Dassault Aviation – Traum vieler Spotter und Kassenhit der französischen Exportwirtschaft – sowie der Eurofighter Typhoon, vereint unter dem Siegel eines Konsortiums, vertreten von Leonardo (Italien).

Zwischendurch deutete vieles auf den Rafale als Favorit hin. Dhaka, so berichteten lokale Medien, habe sich sogar bereits überlegt, zunächst vier gebrauchte Rafale aus französischen Beständen zu übernehmen und acht weitere auf den technisch neuesten F4-Standard zu bringen. Doch dann kam Bewegung ins politische Geschehen: Im August 2024 floh Bangladeschs Premier nach Indien, das Regime wechselte – und plötzlich lagen die Gespräche mit Paris auf Eis. Wer hätte gedacht, dass globaler Jet-Kauf von solchen Dramen begleitet wird?

Der Eurofighter kratzt am Ziel, doch dann kommt… China

Wenig später schob sich der Typhoon in die Pole-Position. Im Mai ließ sich Bangladeschs Luftwaffenchef, General Hasan Mahmood Khan, in Italien blicken, besuchte Leonardo und wohnte den Vorführflügen des europäischen Jets bei. Auch diplomatisch wurde vorgefühlt, wie ein Treffen Khans mit Italiens Botschafter in Dhaka im September zeigte. Sogar eine politische Grundsatzvereinbarung über den Erwerb von Mehrzweckkampfflugzeugen plus Luftverteidigungsfähigkeiten wurde präsentiert.

Doch kurz bevor italienische Aperitivos die Verträge begießen konnten, betrat ein dritter Kandidat die Bühne – und überholte auf der Zielgeraden: Der Chengdu J-10CE, das chinesisch-pakistanische Lieblingskind, steht nun kurz vor dem Zuschlag in Bangladesch. Bereits nach einem Treffen zwischen Interims-Premier Muhammad Yunus und Chinas Präsident Xi Jinping im März 2024 tauchten erste Hinweise in diese Richtung auf. Da halfen vermutlich auch Pekings propagandistische Seitenhiebe gegen den Rafale (Stichwort: Konflikt Pakistan–Indien) mit, dem eigenen Produkt den Rückenwind zu verschaffen.

Warum europäische Jets auf den Boden bleiben müssen: Preis, Politik, Prioritäten

Bevor jetzt in Paris und London kollektiv die Trikolore geflaggt wird – das Ganze ist auch eine Frage des Preises (Achtung, Sparfuchsmodus). Frankreich hätte beim Verkauf einiger Rafale nach Bangladesch riskieren müssen, Indien zu vergrätzen, den wichtigsten Kunden und einen geopolitisch komplizierten Nachbarn Bangladeschs. Und wie realistisch war es, dass Dhaka für zwölf Rafale überhaupt das nötige Kleingeld fand? Der Typhoon wäre sogar noch teurer ausgefallen.

Für das wirtschaftlich gebeutelte Land lag die Lösung also nahe: „Besser das nehmen, was erreichbar ist, als von Exotischem zu träumen.“ So plant das Übergangskabinett zwar ein Kreditpaket von 2,2 Milliarden Dollar für einen Zehnjahres-Kauf moderner Kampfjets (die alternden F-7 verabschieden sich ohnehin bald von selbst…). Doch die europäische Premiumklasse bleibt ein ferner Traum, mit einer Preisklasse à la Bangladesch können da nur wenige mithalten – und China lacht sich ins Fäustchen.

J-10CE: Technisch auf Augenhöhe mit dem Spartarif?

Aus technischer Sicht ist der J-10CE durchaus kein Leichtgewicht: Moderne Radars mit aktiver Antenne, volle Suite elektronischer Kampftechnik, der Schub eines Shenyang WS-10B-Triebwerks (ja, 135 kN geben ordentlich Vortrieb) und Bewaffnung von PL-15/PL-10-Luft-Luft-Raketen lassen sich sehen. Ein Kampfjet auf Augenhöhe? Für Bangladesch wohl sehr wohl, insbesondere wenn Budget und politische Nähe zu China stimmen.

Wie die „Dhaka Tribune“ berichtet, wird nun geprüft, direkt bei der chinesischen Regierung oder einer deren Auserwählten zu kaufen – inklusive Wartung, Ausbildung, Ersatzteilen und Zahlungsmodalitäten. Ein Hauch von „Neuer Seidenstraße“, diesmal mit Jet-Attitüde.

  • Geopolitischer Glanzpunkt für Peking
  • Ein Bonuspunkt auf Bangladeschs Freundschaftskonto mit China
  • Indien mag’s mit gemischten Gefühlen sehen

Fazit: Wer zu teuer fliegt, fliegt vorbei – oder warum Bangladesch jetzt auf chinesische Flügel setzt
Der europäische Traum ist in Dhaka vorerst geplatzt – Politik, Preis und Partnerpräferenzen lassen wenig Spielraum für Rafale und Typhoon. Die J-10CE kommt, wie die Faust aufs Auge chinesischer Regionalstrategie. Kleine Empfehlung an die Nachbarstaaten: Wer saubere Exporterfolge will, sollte nicht nur Technologievorsprung, sondern auch einen spürbaren Rabatt einpacken – und seinen wichtigsten Kunden nicht verprellen. Bangladesch jedenfalls tanzt künftig auf Pekings Drachenflügeln. Wer hätte das gedacht?

 

Clara Hoffmann
Verfasst von Clara Hoffmann

Clara Hoffmann ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt auf Gesellschaft, aktuelle Themen und Psychologie. Sie analysiert gesellschaftliche Entwicklungen, zwischenmenschliche Fragen und die psychologischen Hintergründe des Alltags mit Klarheit und Feingefühl.

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