Man stelle sich vor: Nur 2,57 Meter lang, 171 Kilo schwer – und bereit, 503 Jahre nach Magellan ein abenteuerliches neues Kapitel in der Geschichte der Weltumseglungen zu schreiben. Aber diesmal wagt kein Kapitän, sondern ein kleiner, stummer Unterwasserheld die Reise: Redwing.
Ein Tauchgang in die Zukunft der Meereserkundung
Was aussieht wie der Traum eines Modellbauers mit zu viel Fantasie, ist in Wahrheit Hightech pur. Redwing, ein sogenannter “Glider” von Teledyne Marine und der Rutgers University aus New Jersey, steht im Begriff, als erstes autonomes Unterwasserfahrzeug die Welt zu umrunden. Das ist fast so spektakulär wie Magellans Weltumsegelung – nur, dass diesmal niemand seekrank werden muss und das Logbuch digital geführt wird.
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Redwing schwimmt nicht im klassischen Sinn. Statt Propeller setzt er auf Veränderung seiner eigenen Dichte: Ein interner Kolben, gefüllt mit komprimiertem Gas, macht ihn mal schwerer, mal leichter als das umgebende Wasser. Ist er schwerer, sinkt er sanft bis zu 1.000 Meter tief, wird er leichter, geht es ruhig wieder Richtung Oberfläche. Dieses stete, sägezahnartige Auf und Ab lässt ihn mit gemütlichen 0,75 Knoten (circa 1,3 km/h) vorankommen. Klingt entspannt – also fast schon Wellness-Tauchen für Roboter.
Weltreise mit Stromfressern und Satellitenverbindung
Lärm? Fehlanzeige. Tankstopps? Überflüssig. Redwing „segelt“ still und sparsam wie ein Unterwasser-Optimist – perfekten Kurs vorausgesetzt. Gibt es doch einmal Strömungen, die ihn aus der Bahn werfen möchten, stehen kleine Hilfspropeller bereit – werden aber äußerst selten gebraucht.
Die wahren Helden im Inneren sind seine Übergrößen-Batterien, die in der stromlinienförmigen Hülle verborgen sind. Rund zwei Jahre soll Redwing ohne Nachladen ausharren können, bevor er planmäßig auf halber Strecke für einen Modulwechsel auftaucht. Ein Rekordversuch unter Strom! Kein Glider hat je fünf Jahre Reisen gewagt.
Die Mission wird täglich überwacht: Das Team aus Teledyne-Forschern und Rutgers-Studierenden funkt über Satellit, wenn Redwing zweimal täglich zur Oberfläche kommt. Daten werden übertragen, neue Befehle abgeholt. Und im Lauf der fünf Jahre sollen mehr als 73.000 Kilometer und tausende Messpunkte im Ozean gesammelt werden. Da kommt einiges an Forschungsgold zusammen.
Ein Kurs zwischen Mythos und Wissenschaft
Redwings Route folgt keinem Zufall, sondern dem großen historischen Vorbild Magellan: Von der amerikanischen Ostküste geht’s über die Kanaren, den Südatlantik bei Kapstadt, Westaustralien, Neuseeland, die Falklandinseln (vielleicht sogar Brasilien) zurück nach Cape Cod.
- Es warten kaum erforschte Seegebiete.
- Dort sind Temperatur, Salzgehalt und Meeresströmungen noch Rätsel für die Forschung.
- Redwings Sensoren liefern pausenlos Messwerte für ein besseres Verständnis des globalen Klimasystems.
Diese Daten stellen einen wahren Schatz für Klimaforscher und Ozeanographen dar.
Während Redwing den Großteil der Zeit sicher unterhalb der Wellen dahinzieht, lauern andere Gefahren: Fischernetze, Frachtschiffe, Algen und selbst neugierige Haie. Besonders gefürchtet – und leider kaum zu vermeiden: “Biofouling”. Dabei kleben sich Muscheln, Algen und Mikroorganismen an den Rumpf, bis der Glider kaum noch fahren kann. Haie hingegen interessieren sich manchmal für seltsame akustische Signale – einer Glider ist angeblich sogar schon an einem Biss gescheitert, wie Alexander Phillips vom britischen National Oceanography Centre weiß.
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Leiser Pionierdrang: Von Scarlet Knight bis Redwing
Redwings Mission sprengt mit Leichtigkeit seinen kleinen Rahmen. Millionen von Messdaten zu Temperatur, Dichte und Strömungen aus kaum befahrenen Regionen landen dank Satellit quasi „live“ auf den Computern von Unis und Schulen weltweit. Die Hoffnung: ein besseres Verständnis der Rolle der Ozeane beim Klimawandel.
Er verkörpert so den Idealtyp moderner Meereswissenschaft: Geduldig, sparsam, unaufdringlich. Kein Vergleich zu den riesigen Forschungsschiffen, die Unmengen an Treibstoff verschlingen. Redwing ist Soloabenteurer, gesteuert von Physik und Präzision.
Das Unternehmen ist kein Sprung ins eiskalte Wasser. Redwing folgt anderen leisen Wegbereitern:
- 2009 schaffte Scarlet Knight RU27 als erstes Glider die Atlantikdurchquerung zwischen New Jersey und Galicien in 221 Tagen.
- 2011 absolvierte Silbo, entwickelt von Teledyne Webb Research und Universität der Azoren, eine 6.000-Kilometer-Querung des Atlantiks.
- Ebenfalls 2011 legte der PacX Wave Glider von San Francisco bis Australien 16.000 Kilometer allein mit Wellenschub und Sonnenkraft zurück.
Sie waren zwar keine Schnellboote, aber dafür wahre Durchhaltewunder – und quasi die älteren Geschwister von Redwing.
Fazit: Wenn dieser kleine, stoische Taucher seine Reise erfolgreich meistert, wird er der erste Unterwasserroboter sein, der jemals die Erde umrundet. Eine stille, zähe Heldentat, die einmal mehr beweist: Große Entdeckungen brauchen nicht immer große Gesten. Manchmal genügt ein kleiner Punkt auf dem Bildschirm, der aufzeigt, wie weit Mensch und Technik gemeinsam gekommen sind – wortwörtlich und im Ozean.