Strompreise: Was wirklich hinter den geheimen Stunden von Tag und Nacht steckt

 

Licht an! Die Sache mit den Strompreisen und den mysteriösen Stunden von Tag und Nacht treibt viele von uns um. Jeder hat davon gehört – aber wer kennt schon alle Details? Zeit, das Dunkel zu vertreiben!

„Heures pleines, heures creuses“ oder: Wer früher wäscht, zahlt weniger?

Stellen Sie sich vor: Sie haben Elektizität zuhause (hoffentlich!) – und wissen vermutlich schon, dass es die berühmte Option der günstigen „heures creuses“, also Zeiten mit niedrigerem Stromtarif gibt. Klingt einfach? In der Theorie ja. In der Praxis stolpern viele jedoch eher über verschlungene Zeitpläne und Tarifbedingungen, als tatsächlich ihre Stromkosten zu senken. Gerade die von Enedis angebotenen Nebenzeiten sind manchmal, sagen wir es höflich, etwas abenteuerlich.

Versuchen wir also gemeinsam, den Nebel zu lichten: Um überhaupt von den „heures creuses“ (HPHC) zu profitieren, braucht es einen entsprechenden kostenpflichtigen Vertrag oder eine besondere Tarifoption. Ein Beispiel: Der Tarif „Elec Classique“. Sie sollten dabei wissen, wann Sie Ihren Wäscheberg in der Trommel wirbeln lassen sollten, um nicht draufzuzahlen – nur steht das meist nur in winziger Schrift auf der Rechnung. Wer liest das schon, bevor es zu spät ist?

Acht magische Stunden – aber wann?

Sicher ist: Jeder erhält acht Nebenstunden pro Tag. Aber wie diese acht Stunden verteilt sind, gleicht einem Lotteriespiel. Bei rund 40 % der Kunden sind diese acht Stunden auf zwei Zeitbereiche gesplittet. Die anderen 60 % haben eine einzige zusammenhängende Nebenzeit zwischen 20 Uhr abends und 8 Uhr morgens.

Ein persönlicher Leidensweg: Wer wie ich von 1:10 Uhr bis 7:40 Uhr den ersten Teil seiner günstigen Zeit und von 12:40 Uhr bis 14:10 Uhr den Rest hat, muss entweder schlafwandeln oder zuhause arbeiten, um den günstigeren Strom zu nutzen. Praktisch erfordert das oft einen echten Spagat zwischen Schlafrhythmus und Haushaltsaufgaben.

Noch schlimmer: Wer sich eine nutzerfreundlichere Zeit wünscht, blickt in die Röhre – Änderungen sind unmöglich, es sei denn, Sie ziehen tatsächlich um. Bei Vertragsabschluss zuteilt Enedis die Zeiten auf Basis der örtlichen Gegebenheiten und Netzkapazitäten. Kommt ein Linky-Zähler ins Spiel, wird’s noch willkürlicher – die Zeitzuteilung erfolgt dann zufällig. Und beim Stromanbieter ihres Vertrauens zu verhandeln, ist nutzlos: Auch dieser ist Enedis ausgeliefert. Hurra, Bürokratie!

Sparen – aber nur für Frühaufsteher?

Sind die Zeiten der Nebenstunden so ungünstig, dass Ihr innerer Schweinehund lacht, lohnt sich der Basis-Tarif eher. Fakt ist: Laut Engie kostet eine Kilowattstunde im Nebenzeitraum durchschnittlich 25 % weniger als im Basistarif, während sie in den „heures pleines“ durchschnittlich 10 % teurer ist. Dazu kommt das höhere Grundpreis-Abo der HPHC-Variante – macht rund 8 Euro mehr im Jahr für 6 kVA Basisleistung.

Laut Enedis selbst muss mindestens 30 % Ihres Verbrauchs in den Niedrigtarif-Zeiten liegen, damit sich HPHC überhaupt lohnt. Ansonsten zahlen Sie sprichwörtlich drauf. Hier hilft ein kritischer Blick auf das eigene Verbrauchsverhalten, bevor Sie sich von schönen Sparversprechen blenden lassen.

Techniktricks und Stolpersteine: Wie Sie (vielleicht) doch profitieren

Kritik an den schrägen Zeitfenstern? Klar. Enedis winkt ab: Man müsse nur die Großverbraucher clever programmieren, damit diese automatisch starten. Wer heute noch so alte Geräte hat, dass ihnen eine Programmierfunktion fehlt, mag in Nostalgie schwelgen – aber: Praktische Steckdosen-Timer gibt’s laut Netzbetreiber „für ein paar Euro“.

Und was ist mit dem Warmwasserspeicher? Im klassischen Fall schickt Ihr Stromzähler dem passenden Schütz das Signal: „Hey, du, jetzt ist Nebenzeit!“. Daraufhin springt der Wasserspeicher an und produziert warmes Wasser – eigentlich. Mit dem Linky tut sich bei manchen Nutzern allerdings: nichts. Enedis räumt ein: Es kann Probleme geben. Dann bleibt nichts übrig, als den Netzbetreiber anzurufen, der (fast) kostenlos – bis auf rund 30 Euro Fahrtkosten – einen Techniker schickt.

  • Heures creuses sparen nur, wenn man die komplizierten Zeitfenster konsequent nutzt.
  • Eine Änderung der Zeiten ist praktisch ausgeschlossen – außer bei Umzug.
  • Ohne ausreichenden Verbrauch in den günstigen Phasen lohnt sich das alles kaum.
  • Technikprobleme? Den Netzbetreiber erreicht, Techniker kommt (beinahe gratis…)

Fazit: Strom sparen ist keine Zauberei – aber oft eine Wissenschaft für sich, besonders bei Enedis’ Zeitregeln. Wer Zeitfenster, Preise und Alltagstrapazen jongliert, kann vielleicht ein paar Euro rausholen. Für alle anderen gilt: Uhr stellen, Timer programmieren und gelegentlich über das System schmunzeln. Und so bleibt wenigstens der Humor immer an – auch wenn das Licht mal ausfällt.

 

Clara Hoffmann
Verfasst von Clara Hoffmann

Clara Hoffmann ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt auf Gesellschaft, aktuelle Themen und Psychologie. Sie analysiert gesellschaftliche Entwicklungen, zwischenmenschliche Fragen und die psychologischen Hintergründe des Alltags mit Klarheit und Feingefühl.

Sorry, no posts were found.