Nach den Feiertagen wird die innere Liste der Rechenschaften immer länger: zu volle Teller, unglückliche Worte, Versprechen, es künftig besser zu machen. Dieses Unbehagen, genährt von Leistungsgesellschaft und sozialen Medien, ruft eine unermüdliche innere Richterin auf den Plan. Psychologinnen und Psychologen erinnern jedoch daran, dass Schuldgefühle ursprünglich eine nützliche Funktion haben, bevor sie sich in eine toxische Last verwandeln, die oft schon in der Kindheit geprägt wird. Wie erkennt man, wann sie aus der Spur geraten, und wie schafft man wieder Luft – mit Selbstmitgefühl, der Unterscheidung zwischen tatsächlicher und eingebildeter Schuld sowie gezielter Begleitung?
Wenn sich zu Jahresbeginn Schuldgefühle melden
Die ersten Januarwochen stehen oft für die Rückkehr in den Alltag. Nach den Feiertagen spüren manche eine schwer greifbare Last: die Schuldgefühle. Ob zu viel Essen, zu hohe Ausgaben oder familiäre Spannungen – eine kleine innere Stimme bewertet unablässig unser Tun. Warum wird dieses Gefühl so übermächtig?
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Schuldgefühle: ein Mechanismus, der nicht immer toxisch ist
Ursprünglich sind Schuldgefühle eine soziale Emotion von Bedeutung. Sie helfen uns, Fehler zu erkennen und unser Verhalten anzupassen, um harmonische Beziehungen zu pflegen. Doch was ein wohlwollender Kompass sein sollte, kann zur schweren Last werden. Dieser Kipppunkt ist erreicht, wenn das Gefühl dauerhaft und im Verhältnis zu dem, was tatsächlich auf dem Spiel steht, unverhältnismäßig wird.
Woher kommt diese erdrückende innere Stimme?
Nach Ansicht von Psychologinnen und Psychologen liegen die Wurzeln dieses Phänomens oft in der Kindheit. Ein Umfeld mit hohen Erwartungen, häufigen Kritiken oder wiederkehrender Schuldzuweisung kann diese Tendenz verankern. Im Erwachsenenalter wird dieses Muster mitunter durch die Leistungsgesellschaft verstärkt, in der Erfolg und eine makellose Außenwirkung (vor allem in den sozialen Medien) zur Norm werden.
Zudem nährt sich übermäßige Schuld aus unrealistischen Vorstellungen persönlicher Verantwortung. „Wenn etwas nicht läuft, bin ich ganz bestimmt schuld.“ Solches Denken befeuert das Grübeln und hält die permanente Selbstkritik am Laufen.
Wenn Schuldgefühle krankhaft werden
Woran erkennt man, dass es mehr ist als ein einmaliges Warnsignal? Hier sind einige Anzeichen:
- Sie entschuldigen sich ständig, mitunter sogar ohne ersichtlichen Grund.
- Sie spielen Situationen stundenlang im Kopf durch und entwerfen alternative Szenarien.
- Es fällt Ihnen schwer zu akzeptieren, dass sich manches Ihrer Kontrolle entzieht.
Wenn Sie sich darin wiedererkennen, hat diese Schuld vermutlich eine problematische, vielleicht sogar toxische Dynamik angenommen.
Die eigenen Gefühle wieder in die Hand nehmen
Diese innere Stimme zu beruhigen, gelingt in mehreren Schritten. Zuerst gilt es, zwischen einer tatsächlichen Verfehlung und einer Situation zu unterscheiden, die in Ihren Gedanken entsteht oder überhöht wird. Danach empfehlen Fachleute, Selbstmitgefühl zu üben: anzuerkennen, dass man nicht alles steuern kann und dass man dieselbe Freundlichkeit verdient, die man anderen entgegenbringt.
Schließlich kann eine therapeutische Begleitung helfen, diese tieferliegenden Mechanismen zu verstehen und ihren Einfluss im Alltag zu verringern. Die eigenen Grenzen anzuerkennen, ist ein Schlüssel, um das emotionale Gleichgewicht wiederzufinden.
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Und wenn wir den Druck ein wenig rausnähmen?
Es ist leicht, sich von gesellschaftlichen Ansprüchen und dem eigenen Perfektionismus mitreißen zu lassen. So nützlich Schuldgefühle am Anfang auch sein mögen, sie sind nicht dazu da, unser Leben zu steuern. Vielleicht ist es an der Zeit, milder mit sich selbst zu sein. Schließlich ist niemand perfekt – und genau das macht uns zutiefst menschlich.





