Von wegen Vogelglück am Futterhäuschen: Warum zu viel des Guten unsere Gartenvögel schwächen kann
Herzen erwärmen – aber zu welchem Preis?
Winter. Die Futterstelle im Garten ist von morgens bis abends gefüllt, und vor dem Fenster bietet sich das Schauspiel von Meisen, Rotkehlchen und Co – für viele ein echter Seelenwärmer in der kalten Jahreszeit. Wir fühlen uns als gute Gastgeber und glauben, einen wertvollen Beitrag zum Überleben der Vögel zu leisten. Doch halt: Einige Spezialisten schlagen Alarm und fragen sich inzwischen, ob diese Dauerunterstützung nicht letztlich zu einer Schwächung der gefiederten Gartenbewohner führt.
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Wann hilft Füttern wirklich – und wann schadet es?
Der Winter setzt den natürlichen Ressourcen echte Grenzen: Insekten verkriechen sich, der Boden friert, die Nahrungssuche wird zur Kurzstrecke, weil die Tage so schnell vergehen. Da scheint das Füttern wie eine Selbstverständlichkeit, ja fast schon wie eine moralische Pflicht. Doch was, wenn nicht die Menge entscheidet, sondern der richtige Moment und die passende Häufigkeit das Zünglein an der Waage sind?
So selten wie nötig, so gezielt wie möglich – das raten Experten wie die Ligue pour la Protection des Oiseaux (LPO). Wirklich problematisch wird’s, wenn der Frost tagelang anhält und eine dicke Schneedecke Böden und Hecken versiegelt. Dann sind die natürlichen Nahrungsquellen tatsächlich rar. Aber: Die LPO betont, dass die Fütterung nur in diesen (leider nicht ganz so gemütlichen) Kältephasen angebracht ist – keinesfalls als pausenloses All-inclusive-Büfett für den ganzen Winter. Fütterung? Gerne, aber keine Dauer-Flatrate!
Ein Blick nach Norwegen und in die anderen Länder Skandinaviens: Dort warten die Hobbygärtner auf den knackigen Frost, holen nur dann Sonnenblumenkerne und Fettkugeln hervor – und lassen die Futterstelle wieder leer, sobald Tauwetter einsetzt. Das Ziel? Der natürliche Suchtrieb und die Selbstständigkeit der Vögel sollen nicht verloren gehen, trotz aller Fürsorge.
Risiko Futterplatz: Gewohnheit, Abhängigkeit und Krankheit
Was passiert, wenn jeden Tag gefüttert wird – und das vielleicht sogar noch in den Sommer hinein, wenn jeder Regenwurm freiwillig auf dem Rasen tanzt? Vögel gewöhnen sich an den Großspender im Garten, erforschen immer weniger das Umland und zeigen ihrer Brut seltener, wie das mit Insektenfang und wilden Sämereien klappt. Dieser Gewöhnungseffekt birgt eine Gefahr: Bricht die Versorgung plötzlich ab, stehen die Vögel ziemlich dumm da.
Und damit nicht genug: Gerade dauernd überfüllte Futterstellen sind ein echter Treffpunkt – nicht nur für Individuen, sondern auch für Parasiten und Krankheitserreger. Es wird gedrängt, es wird manchmal auch in den Fäkalien gescharrt, und schon verbreiten sich Mikroben in Windeseile. Die Spezialisten empfehlen daher besonders energiereiche, aber einfache Kost:
- Schwarze Sonnenblumenkerne
- Unbehandelte (ungesalzene, ungeröstete) Erdnüsse
- Pflanzenfettblöcke mit Insektenzusatz
Brot, Milch oder zu salzige Essensreste hingegen sind Gift für Leber und Nieren und bringen keinerlei Vogelfreuden, weder beim Mensch noch beim Tier.
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Füttern – aber mit Maß und Verstand
Wie also schlau und verantwortungsvoll handeln? Die LPO rät: Mit dem ersten Frost kann die Fütterung beginnen. Dann, wenn die Tage wieder länger werden, die Insekten zurück sind und die Vögel an die Familienplanung denken, sollte Schluss sein – und zwar schrittweise. Weniger häufig nachfüllen, kleinere Portionen anbieten. Und falls sich Krankheitsfälle an der Futterstelle häufen: Besser sofort eine Futterpause einlegen!
Ein Beispiel aus der Vogelkunde verdeutlicht die Strategie: Der Bienenfresser etwa lebt und brütet in Kolonien in steilen, sandigen Wänden – die heute selten sind oder häufig gestört werden. Für diese Arten wie auch für unsere Gartenbesucher gilt: Der beste Schutz ist und bleibt Ruhe am Lebensort, die durch Kenntnis und langfristige Erhaltung dieser Plätze entsteht. Und wie schafft man natürliche Nahrung? Unterschiedliche Hecken, Beerensträucher, Verzicht auf Pestizide und unaufgeräumte kleine Flächen liefern genau das – ganz diskret und ohne Nebenwirkungen.
Fazit: Füttern, ja – aber nicht blindlings und pausenlos. Mit Bedacht, mit etwas Zurückhaltung und immer um das Wohl der Vögel im Blick. Nur so bleibt der Winterbesuch am Futterhäuschen ein echtes Fest – für Vogel und Mensch.