Wer kennt es nicht: Ende des Monats wirft man einen neugierigen Blick aufs Konto – in der stillen Hoffnung, die Lohnbuchhaltung könnte sich mal irren und einen kleinen Bonus auf dem Gehaltszettel stehen lassen. Für viele bleibt das ein frommer Wunschtraum. Doch in Chile wurde dieser Traum (im ganz großen Stil!) Wirklichkeit. Und das Beste: Am Ende durfte der betroffene Arbeitnehmer das Geld wirklich behalten – sehr zum Ärger seines ehemaligen Arbeitgebers.
Der Fehler, den Millionen sich wünschen
Am 30. Mai 2022 widerfuhr einem ganz normalen Assistenten der Firma Consorcio Industrial de Alimentos (kurz Cial) aus dem chilenischen Lebensmittel-Sektor das sprichwörtliche Wunder. Statt der üblichen 500.000 chilenische Pesos landeten unglaubliche 165 Millionen Pesos auf seinem Konto. Das entspricht, wie Maud Descamps in „Bonjour ! La Matinale TF1″ vorrechnete, etwa 172.000 Euro – statt der üblichen 522 Euro. Wer da keine Freudensprünge macht, sollte seinen Puls überprüfen.
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- Statt einem Gehalt: Das 330-fache aufs Konto
- Assistent merkt den Fehler am selben Tag
- Angestellter informiert zuerst pflichtbewusst seinen Arbeitgeber
Vom Glücksfall zum Krimi: Was dann passierte
Kurzerhand meldete sich der Mitarbeiter sogar noch selbst bei seinem Chef, der vor Schreck vermutlich nicht weniger blass wurde als sein Buchhalter. Allerdings verschwand der pflichtbewusste, doch offenbar auch smarte Mitarbeiter nach dem Anruf für mehrere Tage von der Bildfläche und reichte mit anwaltlicher Unterstützung seine Kündigung ein. Brieflich, wie sich das gehört – und dann: basta.
Selbstverständlich forderte das Unternehmen sein Geld zurück und schaltete die Justiz ein. Schließlich gibt es für „Geldregen aus Versehen” bislang keine Tariflohnregelung. Der Streit zog sich, ehe die Spannung am 8. September 2025 aufgelöst wurde: Nach etlichen Monaten entschied das Gericht, dass der Ex-Angestellte das Geld tatsächlich nicht zurückzahlen muss. Ein Urteil, das sicher selbst hartgesottene Arbeitsrechtler erstaunt.
Der Arbeitgeber gibt sich nicht geschlagen
Die Chefs von Cial sitzen nicht einfach da und wischen sich mit Taschentüchern die Tränen aus dem Gesicht. Wie Le Figaro berichtet, erklärt die Unternehmensleitung, dass sämtliche rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft werden sollen – darunter auch ein Antrag auf Nichtigkeit des Urteils. Ein Gerichtsmarathon ist also programmiert. Im Gespräch mit dem chilenischen Wirtschaftsjournal Diario Financiero betonte das Management, man werde nicht locker lassen, bis das überraschende Urteil revidiert sei.
Für das Unternehmen ist dieser Vorfall bitter. Für Angestellte allerdings klingt es nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen – beziehungsweise nach dem Hauptgewinn beim Lottospiel Büroalltag.
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Warum das in Frankreich (und wahrscheinlich auch anderswo) nicht passieren würde
- Die französische Gesetzgebung zieht klare Grenzen: Kommt es zu einer Überweisung wie dieser, hat der Arbeitgeber drei Jahre Zeit, sein Geld zurückzufordern.
- In Chile war das Urteil zugunsten des Arbeitnehmers eine echte Ausnahme.
So gesehen dürfen Gehaltsträumer in Deutschland, Österreich oder Frankreich das große Konto-Glück weiter nur insgeheim hoffen. In unseren Breitengraden wäre ein solcher geldwerter Irrtum schnell Vergangenheit – und der plötzliche Geldsegen müsste zurückgegeben werden. Dazu passt die Schlussfolgerung von Maud Descamps: „Sachez que si un cas similaire arrivait en France, l’employeur a trois ans pour agir.”
Fazit: Das kuriose Gehaltswunder des chilenischen Angestellten bleibt eine seltene Laune der Bürokratie. Wer trotzdem weiter mit einem Konto-Fehlgriff seiner Firma rechnet: Erst freuen – dann lieber doch mit dem Chef sprechen. Und auf keinen Fall den eigenen Anwalt vergessen!