Sind wir ehrlich: Wer hat sich nicht schon mal dabei ertappt, im modernen Auto auf einem riesigen Display nervös durch endlose Menüs zu wischen, statt einfach im Blindflug einen guten alten Knopf zu drücken? Willkommen im Zeitalter der Rückbesinnung auf das, was unsere Finger (und Nerven) vermisst haben – denn bei Mercedes ist der klassische Knopf wieder en vogue!
Vom Bildschirm-Rausch zur Knopf-Renaissance
Vor gar nicht allzu langer Zeit setzte Mercedes alles auf die Digitalisierung. Der MBUX Hyperscreen, ein 1,41 Meter breites Hightech-Display quer über das Armaturenbrett, sollte sämtliche Funktionen an einer zentralen Stelle vereinen. Egal ob Klimaanlage, Navigation oder Sitzheizung; alles wanderte in digitale Menüs. Man kann es sich fast bildlich vorstellen: Der letzte analoge Knopf räumt still seine Sachen zusammen und verlässt das Cockpit, während das Touchdisplay die Herrschaft übernimmt.
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Doch: Zeiten ändern sich. Mit dem neuen GLC und CLA Shooting Brake schlägt Mercedes eine andere Richtung ein. Plötzlich gibt es wieder Drehregler, Scrollräder und – man höre und staune – physische Knöpfe am Lenkrad. Laut Magnus Östberg, Softwarechef der Marke, ist diese Kehrtwende kein Marketing-Gag, sondern basiert auf harten Nutzungsdaten: Knöpfe sind besser. Die Zukunft? Eine durchdachte Kombination aus Touchflächen und echten Schaltern – das Nonplusultra für Sicherheit und Bedienkomfort.
Pragmatisch, sicher und ein bisschen nostalgisch
Wer jetzt denkt, Mercedes sei allein auf weiter Flur, irrt gewaltig. Auch andere Marken haben erkannt, dass zu viele Touchscreens nicht automatisch für mehr Freude am Fahren sorgen. Volkswagen hat beispielsweise nach Experimenten mit praktisch touch-only-Interieurs begonnen, wieder mechanische Knöpfe einzubauen. In München präsentierte die Marke ein neues Designkonzept, das echtem Feedback den Vorrang gibt – weg von kapazitiven Tasten, die in der Realität nicht immer für Begeisterung sorgten.
Doch warum die Rolle rückwärts? Hier kommt ein gewichtiger Mitspieler ins Spiel: die Sicherheit. Organisationen wie Euro NCAP machen jetzt ernst: Wer weiterhin die volle Fünf-Sterne-Wertung möchte, kommt um physische Bedienelemente für Grundfunktionen wie Blinker oder Lüftung nicht mehr herum. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, dem auch große Hersteller nicht widerstehen können.
- Physische Knöpfe gelten als sicherer und effizienter
- Eine Mischung aus Touch und Hardware überzeugt im Alltag
- Marktvorlieben: Europa liebt Knöpfe, Asien begeistert sich für Displays und Sprachsteuerung
Wie die Kunden ticken – und was der Markt diktiert
Mercedes blickt freilich nicht nur auf Daten und Sicherheit, sondern auch genau auf die Wünsche seiner Kundschaft. In Europa zeigt sich die Mehrheit knopfverliebt und fordert den ausgewogenen Mix, während asiatische Kunden eine Passion für hochauflösende Bildschirme und Spracherkennung pflegen. Die Folge: Mercedes richtet seine Produktausrichtung flexibel nach den Märkten aus – und rüstet insbesondere die neuen SUV-Modelle wieder vermehrt mit klassischen Bedienelementen aus.
Doch wie so oft gibt es auch die Gegenbewegung: Mazda etwa, lange als Hüter der kleinen Displays und physischen Tasten bekannt, nimmt beim CX-5 2025 eine entgegengesetzte Route. Hier wandern nun zentrale Funktionen auf ein großes, zentrales Touchfeld – gewissermaßen der Sprung ins “digitale kalte Wasser”.
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Einmal Knopf, immer Knopf? Fazit und Ausblick
Auch wenn die Old-School-Schalter wieder einen festen Platz im Cockpit bekommen, werden die Bildschirme natürlich nicht ausgemustert. Gordon Wagener, Mercedes-Designchef, schwört weiterhin auf die Kraft des durchdachten Software-Erlebnisses. Apple dient ihm dabei als Vorbild für die Benutzerführung. Mercedes will deshalb weiterhin auf imposante Hyperscreens setzen – jedoch gewürzt mit den richtigen physischen Bedienelementen für die wichtigsten Funktionen.
Die Moral von der Geschichte? Wer nach Jahren des „Wisch und Klick“ plötzlich wieder mit einem richtigen Knopfdruck die Klimaanlage steuert, kann beruhigt durchatmen – ob digital oder analog, am Ende zählt das, was die Fahrt sicherer und angenehmer macht. Vielleicht also doch demnächst ein Hightech-Cockpit mit „alten“ Tugenden im Neuwagen – Ihre Finger werden es Ihnen danken!