Wegen eines kleinen Fehlers muss er seine geliebte Ferrari völlig neu restaurieren

 

Das Drama eines kleinen Fehlers bei der Restaurierung: Wie ein schmaler Streifen Ratarossas Ferrari zum Desaster führte

Leidenschaft auf vier Rädern – Ratarossa und seine Mission

Jeder echte Autofreak kennt ihn längst: Ratarossa, den britischen YouTuber mit dem unbändigen Faible für Ferrari. Seit über fünfzehn Jahren widmet er sich mit Herz, Hand (und oft auch dem letzten Pfund auf seinem Konto) der Rettung maroder Legenden. Ob 308, 328, 512 BB oder sein alltäglicher Liebling, die 360 Modena – was andere zum Schrottplatz bringen würden, lässt Ratarossa mit Hingabe auferstehen. Sein größter Traum? Eines Tages eine Ferrari F40 restaurieren.

Doch diesmal, wo man nach neun Monaten detailverliebter Arbeit auf ein glänzendes Happy End gehofft hätte, schlägt der Perfektionismus zurück. In vielerlei Hinsicht wirkte das frisch auferstandene Prachtstück nach Komplettzerlegung, Lackierung, neuem Interieur, fitgemachten Bremsen und restauriertem Motorraum schöner als je zuvor. Zumindest – bis ein unschuldig wirkender, trikolorer Vinylstreifen den italienischen Traum in einen britischen Alptraum verwandelt.

Der verhängnisvolle Streifen – und was danach geschah

Ultrastylisch sollte sie werden, die schwarze 360 Modena, mit dem von den Challenge Stradale inspirierten Zierstreifen. Typisch italienischer Sportsgeist, dachte sich Ratarossa. Aber schon wenige Wochen nach der Werkstattpremiere tauchten erste Makel auf. Ein kleiner Buckel, dann eine feine Ritze – und plötzlich wirkte die Linie, als hätte jemand mit dem Skalpell die frische Lackierung angeritzt. Der Besitzer selbst bringt es (sichtlich geknickt, aber britisch gefasst) in seiner Videobeichte auf den Punkt: „Es ist ein Albtraum. Wir haben neun Monate Arbeit reingesteckt, alles perfekt gemacht, und nun schrumpft diese Vinylbande Tag für Tag!“

Die Ursache kam schnell ans Licht: Der Zierstreifen schrumpfte und zog sich unter dem Klarlack zusammen. Schlimmer noch: Die Ausbuchtungen und Risse zogen sich bereits vom Motorhaubenbereich bis aufs Dach – und eine echte Behebung würde laut Expertenmeinung fast zwei Drittel des Fahrzeugs Abschleifen und Neulackieren bedeuten.

Wenn Materialwahl zum Verhängnis wird

Auf das Video hin meldete sich ein Branchenkenner mit vier Jahrzehnten Erfahrung mit Autofolien. Dessen Urteil: Der Aufkleber sei auf sogenanntem „calandrierten“ Vinyl gedruckt worden – einer kostengünstigeren, weniger stabilen Option im Vergleich zum hochwertigen „cast“-Vinyl.

Das Problem: Gerade schwarze Karosserien heizen sich in der Sonne gehörig auf und stellen das Material vor echte Hitzetests. Calandriertes Vinyl dehnt sich dann, schrumpft wieder und löst sich nach und nach unter dem Lack. Wie der Experte festhält: „Auf schwarzem Lack habe ich schon erlebt, wie solche Bänder um 20 mm schrumpfen!“ Seine Empfehlung ist eindeutig:

  • Neulackieren der betroffenen Bereiche
  • Anbringen eines neuen, hochwertigen Cast-Vinyls – ganz ohne abschließende Versiegelung mit Klarlack

Mehr als nur der Streifen – kleine Patzer, große Wirkung

Aber das Unheil endet nicht beim berüchtigten Streifen: Auch abseits davon fielen Ratarossa Lackierfehler auf. An Türen oder Kotflügeln, wo gar keine Folie war, entdeckte er Trockenzonen, Läufer oder kleine Bläschen im Klarlack. Die Ursache? Wahrscheinlich weniger der Vinylstreifen als vielmehr unsaubere Lackierarbeit – etwa durch winterliche Temperaturen, ungünstiges Ablüften oder schlicht zu dick aufgetragene Lackschichten. Wer also glaubt, kleine Fehler seien harmlos, täuscht sich: Im Restaurationsgeschäft können sie Monate harter Arbeit zunichtemachen.

Ratarossa zeigt sich (zurecht) ernüchtert: „Ich bin kein Perfektionist, aber wenn meine zehnjährige Tochter fragt, was das für Flecken sind, weiß ich: das fällt auf.“ Dennoch bewahrt er Humor (und das Herz für italienische Klassiker). Der V8-Motor schnurrt, die Bremsen top, der Innenraum ein Traum. Vielleicht gibt es bald sogar eine Farb-Totalverwandlung – wie wäre es mit Metallic-Violett?

Fazit: Geduld, Auswahl und ein Lächeln – das Rezept des Restaurateurs

Eins steht fest: Im Universum der Restaurationen braucht es mehr als Leidenschaft und Werkzeug – auch Details wie Materialtyp oder Temperaturverträglichkeit entscheiden über Triumph oder Pleite. Vielleicht wird Ratarossa seinen F40-Traum niemals realisieren. Doch sein unermüdlicher Einsatz erhält das Erbe von Maranello. Und: Fehler passieren, selbst den erfahrensten Restauratoren. Hauptsache, man verliert nicht den Mut oder das Lächeln – denn auch nach 15 Jahren bleibt die Liebe zur Legende immer noch die schönste Belohnung.

 

Clara Hoffmann
Verfasst von Clara Hoffmann

Clara Hoffmann ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt auf Gesellschaft, aktuelle Themen und Psychologie. Sie analysiert gesellschaftliche Entwicklungen, zwischenmenschliche Fragen und die psychologischen Hintergründe des Alltags mit Klarheit und Feingefühl.

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