Dieses „gesunde” Salat-Zutat ist voller Zucker – kaum jemand weiß es

 

Wenn das Leben kurz wird, zählt jede Minute: Das neue Miteinander mit Metastasen, Nikotin und Mittagessen

Eine Familie im Schatten der Krankheit

Perez, 59 Jahre alt, Grieche von Geburt und von Natur aus fatalistisch, war zu einer Art Philosophen geworden: zu klug für den Glauben, zu abergläubisch, um das zuzugeben. Sein Name – Symbol für den Löwen – passte zu seinem Charakter. Freunde riefen ihn liebevoll Péré. Das Ehepaar Péré und Inès kam, gemeinsam mit ihren zwei Kindern (22 und 20), zur ärztlichen Beratung. Péré kämpfte seit zwei Jahren mit einem metastasierten Lungenkrebs; vier Mal wurden die Chemotherapien umgestellt. Sie wirkten jeweils ein paar Monate, dann fanden die Metastasen klugerweise einen neuen Wachstumsweg. Inès engagierte sich voll für ihren Mann, arbeitete vorher Teilzeit und hatte dies mit dem Beginn des Lockdowns ganz aufgegeben. Die Kinder machten ihr Ingenieurstudium in Toulouse, doch wegen Corona zog es sie alle in das Landhaus der Familie.

Therapie, Hoffnung und die Suche nach Lebensqualität

Als sich die Situation von Péré verschlechterte, schlugen die Ärzte eine Immuntherapie vor: Die (theoretisch) schlaue Art des Körpers, Krebs zu bekämpfen – wenn da nicht die noch schlaueren Krebszellen wären, die das Immunsystem quasi einschläfern. Die Immuntherapie sollte diese destruktive Kommunikation kappen und die natürlichen Abwehrkräfte reaktivieren. Das gefiel Péré – lieber der eigenen Immunwehr die Chance geben als weitere toxische Chemotherapien. Die Nebenwirkungen der bisherigen Behandlungen hatten ihn ausgelaugt und seiner Immunität beraubt. Er wollte das Prinzip der Hormesis anwenden: eine schwache Dosis zur therapeutischen Reaktion auf die Aggression. Die Entscheidungen traf er stets gemeinsam mit dem Arzt – ein typischer Péré, der sich nie einfach führen ließ.
Man einigte sich auf die Strategie der “Schildkröte statt Hase”: Nicht alles zerstören – weder Tumor noch Mensch – sondern die Krankheit stabilisieren und langsam untergraben. Leider erwies sich auch die viel gepriesene Immuntherapie zuletzt als weniger erfolgreich.

Rauchen, Nikotin und die Wissenschaft der Versuchung

Inès, sichtlich verzweifelt, fragte, ob sie wieder rauchen dürfe. Die aktuellen Meldungen über einen vermeintlichen Schutzeffekt von Nikotin gegen COVID-19 (nur 5% der COVID-Patienten seien Raucher, verglichen mit 30% in der Gesamtbevölkerung) hatten auch sie neugierig gemacht. Trotz jährlich 80.000 Tabak-Toten und erhöhtem Risiko für 17 Krebserkrankungen – das Corona-Argument ließ in ihr das alte Feuer für eine Zigarette aufglimmen. Auch Péré vermisste den Geschmack und das Ritual stark, der Nikotin-Kick war schwer loszulassen. In der Theorie konkurriere Nikotin mit COVID-19 um die ACE2-Rezeptoren – quasi wie zwei Schlüssel für ein Schloss. Forschende prüfen inzwischen Nikotinpflaster als Prävention und Therapie gegen COVID-19.

Bestimmte Krebsmedikamente können auf ähnliche Weise mit dem “Schloss” der Viren konkurrieren, ebenso wie das Johanniskraut. Zumindest würde es die Laune heben – ein Nebeneffekt mit Mittelalter-Charme. Die Ärzt*innen empfahlen tatsächlich: Nicht jetzt mit dem Rauchen beginnen oder aufhören, sondern – sofern möglich – mit Veränderungen bis nach Corona warten.
Pragmatisch wie immer beschaffte sich Inès ein Iqos-Heizgerät. Statt wie bei der Zigarette den Tabak zwischen 400 und 800 Grad zu verbrennen und über 5000 giftige Substanzen (davon 70 krebserregend) zu inhalieren, wird der Tabak im Iqos bei 350 Grad nur erhitzt – das reduziert drastisch die Giftstoffe, hält aber Geschmack und Nikotin. Die Werbung hierüber bleibt trotzdem verboten, denn das Produkt stammt aus der Tabak-Ecke. Dennoch ist das Risiko für diejenigen, die nicht aufhören können, erheblich geringer als bei der Zigarette. Leider gilt weiterhin ein dogmatisches Ganz-oder-Gar-nicht-Prinzip.

Gemeinsamkeit, Genuss und Vergänglichkeit

Der französische Lockdown brachte der Familie einen seltenen Luxus: täglichen Zusammenhalt. Mittag- und Abendessen, Grillabende, Gespräche, geteilte Zeit – quasi ein Nachholen dessen, was zuvor niemals möglich gewesen wäre. Péré, spürbar zufrieden, hatte sich immer gewünscht, seine Liebsten vereint um sich zu haben. Er reflektierte: Der Mensch opfert Gesundheit und Lebenszeit für Geld, um später sein Geld für die Rückgewinnung eben dieser Dinge wieder auszugeben. Am Ende lebt der Mensch, als ob er niemals stürbe – und stirbt schließlich, als ob er nie wirklich gelebt hätte.

Familien-Barbecues – für Inès und Péré heilige Momente. Dass beim Grillen Arterien und Luftwege mit Toxinen und Dioxinen bombardiert werden, verschwieg der Arzt. Für das Protokoll: Zwei Kilo Holzkohle für vier Steaks, vier Stücke Pute und acht Würste ergeben so viele Dioxine wie 200.000 Zigaretten – sofern man den Rauch stundenlang inhaliert (was glücklicherweise nicht passiert). Am besten: Fleisch vorab in Wein marinieren, Antioxidantien wirken gegen schädliche freie Radikale. Oder gleich einen vertikalen Grill verwenden, denn horizontal aufgelegte Fleischstücke saufen sich mit krebserregenden Rückständen voll.

Zuletzt ergänzten knackige Salate mit Zitrone, Olivenöl, frischen Kräutern, Tomaten, Paprika, gegrillten Auberginen und Zwiebeln die Speisen – mediterraner Gute-Laune-Kick. Nach zwei Jahren ohne Lächeln kam es zurück. Genussforscher wären eifersüchtig geworden. Am Ende war klar: Péré würde keine neue Chemotherapie zulasten seiner Lebensqualität wählen. Er wollte nicht Quantität um jeden Preis – sondern maximale Zeit mit seiner Familie. Der Arzt sollte ihm dabei helfen, den “längstmöglichen Lockdown als Familie” zu genießen und verabschiedete sich.

Fazit: Glück, Genuss und die Kunst, im Heute zu leben

Diese Geschichte ist eine Ode an den gegenwärtigen Moment. Sie zeigt: Selbst unter Bedrohung, Krankheit und Verzicht kann das Leben – richtig ausgelebt – Glücksmomente schenken. Manchmal genügt ein neuer Blick auf die alten Rituale, eine ehrliche Unterhaltung, eine Grillzange in der Hand – und das Wissen, dass Austausch und Genuss so viel mehr bedeuten als jede Statistik.

 

Clara Hoffmann
Verfasst von Clara Hoffmann

Clara Hoffmann ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt auf Gesellschaft, aktuelle Themen und Psychologie. Sie analysiert gesellschaftliche Entwicklungen, zwischenmenschliche Fragen und die psychologischen Hintergründe des Alltags mit Klarheit und Feingefühl.

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