Wenn im Winter alles erstarrt, regt sich zwischen den Terrassen und Hecken doch noch heimliches Leben: Der Europäische Igel sucht unerkannt seinen Weg – und gerät dabei häufiger, als uns lieb ist, in tödliche Gefahr. Erstaunlich genug: Ein unscheinbarer Korken kann das Überleben dieses fleißigen Gartenhelfers sichern und vor dem Ertrinken bewahren!
Der Igel: Nächtlicher Gartenbewohner auf der Suche nach Sicherheit
Im Winter verwandeln sich Beete in leere Flächen, das Laub ist sorgfältig zusammengeharkt, und an den Gartenschuppen füllen sich die Eimer mit Regenwasser. In diesem stillen Ambiente huscht der nachtaktive Europäische Igel (Erinaceus europaeus) umher. Vertrieben aus den ländlichen Regionen durch den Verlust von Hecken und Wiesen, zieht es ihn immer öfter in städtische Gärten. Hier aber warten neue Fallen: Straßen, geschlossene Zäune und vor allem Wasserstellen, deren glatte Ränder schnell zur Todesfalle werden. Die Art, seit 1981 in Frankreich geschützt und ab 2024 auf der Roten Liste der IUCN geführt, nimmt deutlich ab.
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Winterlicher Überlebenskampf: Durstig und gefährdet
Sobald das Thermometer etwas steigt, erwachen die Igel aus ihrer Winterstarre. Sie suchen Wasser oder – wenn sie sehr optimistisch sind – einen Happen zu essen. Dabei begegnen sie Eimern, Bottichen oder Auffangbehältern mit glatten Wänden. Einmal hineingeraten, fehlt jeder Halt. Hier lauern Erschöpfung, Unterkühlung und schließlich Tod durch Ertrinken. Schätzungen zufolge ertrinken jedes Jahr im Winter tausende Igel in diesen unscheinbaren, fast unsichtbaren Fallen. Doch tatsächlich genügt manchmal schon ein einziger, kleiner Gegenstand, um das Blatt zu wenden: Ein simpler Korken, der im Wasser schwimmt, macht den Unterschied. Die Dramatik spielt sich oft in genau dem einen, vernachlässigten Eimer ab.
Warum der Igel Schutz braucht – und der Garten ihn braucht
Als nachtaktiver Insektenfresser verschlingt der Igel Schnecken, Würmer und Käfer – für Gärtner eine wahre Hilfe. Seine Anwesenheit steht gewissermaßen als Warnsignal: Verschwindet der Igel, geht es oft auch mit der Stadtnatur bergab. Studien zeigen, dass in Städten etwa ein Viertel aller Igel auf den Straßen überfahren wird. Einen sicheren, trockenen Unterschlupf braucht der Stachelritter für den Winter ebenso dringend wie den Zugang zu Wasser – der allerdings nicht zur tödlichen Falle werden darf.
Die Igel-Hibernation gleicht übrigens keineswegs einem Dauerschlaf. Vom Ende des Herbstes bis in den Frühling hinein wechseln sich Phasen von Trägheit und kurzen Wachzeiten ab. Bei jedem kleinen Ausflug wird ordentlich Energie verbraucht, während das Futterangebot eher bescheiden bleibt – ein Igel kann dabei bis zu 40 Prozent seines Gewichtes verlieren! Beobachtungen im Rahmen des Gartenbiodiversitäts-Observatoriums und des Programms Vigie-Nature zeigen: Sechs von zehn Igeln verlassen einen zu feuchten Unterschlupf, mit hohem Risiko für Unterkühlung. Und wenn ein geschwächtes Tier in ein kaltes Wasserbecken mit glatten Wänden fällt, schwinden die Kräfte rasend schnell.
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Rettende Maßnahmen: Kleiner Aufwand, große Wirkung
Der erste Schritt: Gefährliche Stellen identifizieren! Im Garten genügt oft schon ein vergessener Eimer, um einem Igel zum Verhängnis zu werden – schließlich reisen die stacheligen Nachtschwärmer jede Nacht mehrere Kilometer durch viele Gärten auf Nahrungssuche. Besonders problematisch sind tiefe Gefäße und solche mit sehr glatten Rändern.
Wer den eigenen Garten igelsicher machen will, setzt auf folgende, kinderleichte Maßnahmen:
- In kleinen Eimern einen Naturkorken an der Wasseroberfläche schwimmen lassen – das ist die perfekte, schwimmende Stufe, an der sich der Igel festhalten kann.
- Bei tieferen Behältern drei bis fünf Korken auf eine Baumwollschnur fädeln, als schwimmende Mini-Girlande – ein Ende zeigt zum Rand oder liegt auf einem Stein.
- Mit einem Ast oder einem schräg gelegten Brett vom Wasser nach außen entsteht eine regelrechte Igel-Rettungsrampe.
Zusätzliche Sicherheit bringt ein wilder Winkel im Garten: Ein trockener Blätterhaufen oder ein Igelhäuschen erweitert das Schutzprogramm für die nachtaktiven Besucher. So sorgt ein Unterschlupf für Nahrung und Flüssigkeit, ein anderer, isolierter Platz bietet einen Rückzugsort zum Schlafen – wie es eine junge Freiwillige treffend zusammenfasst: „Ein Unterschlupf ist für Futter und Wasser, der andere ist isoliert, damit sie schlafen können.“
Fazit: Igel sind unermüdliche Helfer und stets ein Indikator für die Gesundheit unserer urbanen Natur. Mit wenigen, gezielten Handgriffen – vom einfachen Korken im Eimer bis zum bunten Blätterhaufen im Garten – können wir dem bedrohten Stachelritter durch den Winter helfen. Halten Sie die Augen offen, lassen Sie ein Plätzchen wild – und der Igel bedankt sich bei nächster Gelegenheit mit einem Schnuppern am Gartenzaun (ohne dabei um Hilfe zu piepsen).