Mehr als die Hälfte der Kinder isst nur zehn verschiedene Lebensmittel pro Woche

 

Ein Teller voller Sorgen: Wenn unsere Kinder fast nur Pasta und Steak kennen – und alles, was grün ist, aus dem Blickfeld verschwindet! Was steckt hinter den Zahlen, die Eltern wie Ernährungsberater gleichermaßen aufhorchen lassen?

Mehr als die Hälfte der Kinder: Zehnmal Risotto, null Pak Choi?

Jüngste Umfrageergebnisse, erhoben im Juli vom Institut OpinionWay für HelloFresh, sorgen für Alarmstimmung auf den Familientischen. Fast jedes vierte Kind isst wöchentlich gerade einmal fünf unterschiedliche Lebensmittel. Und 76% der 8- bis 18-Jährigen haben noch nie von so exotischen Dingen wie Pak Choi oder Pastinake gekostet – vermutlich auch schwer, wenn der Gemüsekorb sie nie zu Gesicht bekommt.

Die Ursachen?

  • Mehr als die Hälfte der Eltern beschreibt den Versuch, ihren Nachwuchs zu ausgewogener Ernährung zu bewegen, als „ständigen Kampf“.
  • Bei den Erklärungen spielen fehlende finanzielle Mittel eine ebenso große Rolle wie der notorische Zeitmangel. Abends muss es schnell gehen, und bei zu vielen To-dos bleibt fürs Gemüse kaum ein Plätzchen auf der To-eat-Liste.

Das Ergebnis: Die Kinderteller sind häufig unausgewogen bestückt, das Risiko von Müdigkeit selbst am Morgen steigt. Ernährungsmedizinerin Laurence Plumey zieht den Vergleich: „Der Körper ist wie eine Waage. Es ist alles eine Frage des Maßes. Wir müssen ihn respektieren und ihm geben, was die Milliarden Zellen brauchen, aus denen wir bestehen.“

Gemüse – zwischen Esstisch-Vergessen und kulinarischer Fantasielosigkeit

Wer sich fragt, was auf den Tellern fehlt: Gemüse. Laut Plumey gibt es oft schlicht organisatorische Hürden. Eltern, die abends gestresst in die Küche eilen, greifen zu schnellen Dauerbrennern wie Steak, Hähnchen, Reis oder Pasta. Niemand hat die Muße für aufwendige Gemüserezepte, und schon ein wenig Käse macht die Spaghetti für alle schmackhaft. „Niemand mag matschiges, wässriges Gemüse. Es braucht kulinarische Kreativität, damit es Freude macht.“

Die Ernährungsmedizinerin sieht darin ein Grundproblem, das mit einer insgesamt wenig vielfältigen Ernährung zusammenhängt – und bemerkt trocken: „Selbst Gastronomen bieten selten Gemüse an. Wenn wir Kinder jetzt schon limitieren, helfen wir ihnen nicht. Sie werden auch später kaum Gemüse essen.“

Warum Brokkoli, Karotte & Co. unsere besten Freunde sein sollten

Dabei wären Gemüse unsere besten Alliierten. Reich an Vitaminen (wie B, C oder K), Mineralstoffen, Ballaststoffen und Phytonährstoffen, unterstützen sie nicht nur das Immunsystem, regen die Gedächtnisleistung an, sondern tragen auch dazu bei, Blutgefäße gesund zu halten und manche Krankheiten – etwa Krebs – zumindest mit abzuwehren. Sie bringen kaum Kalorien mit, helfen, das Gewicht zu halten, liefern Wasser für die Regeneration und lassen die Waage an guten Tagen jubeln.

Wie bringt man das alles auf einen Nenner? „Alle Lebensmittel ergänzen sich. Für eine gesunde Ernährung braucht es Vielfalt: Kalzium findet sich nur in Milchprodukten, Ballaststoffe und Antioxidantien ausschließlich in Obst und Gemüse. Energiehaltige Proteine stecken in Eiern. Alles in Maßen, das ist der Schlüssel“, betont Plumey.

Praktische Ratschläge: So kommt mehr Vielfalt ins Spiel

Für die Fachfrau steht fest: Gemüse gehört auf den Tisch – und zwar zu jeder Mahlzeit. „Ob roh oder gekocht, sie bringen uns Nährstoffe, die nirgendwo sonst vorkommen. Für unsere Verdauung ist Gemüse sogar der Lieblingssnack des Mikrobioms! Im Gegensatz dazu fermentieren und stören zu viele Kohlenhydrate die Darmflora. Jedes Obst und jedes Gemüse punktet mit eigenen Mikronährstoffen, daher gilt: Abwechslung ist Trumpf.“

Hier einige Tipps, die im Artikel genannt werden:

  • Frankreich bietet eine große Gemüsevielfalt – praktisch für alle, die experimentierfreudig sind.
  • Zubereitungsideen: Ob als Suppe, Salat (grüner Salat, Tomaten, Endivie), überbacken (Blumenkohl, Spinat) oder einfach gekocht (Karotten) – erlaubt ist, was gefällt!
  • Vorbereitung ist die halbe Miete. Wer Gemüse vorkocht, macht es sich leichter und greift abends doch mal zur Karotte statt zum Keks.

Eine verblüffende Zahl: 42% der befragten Eltern kochen gar kein Gemüse, weil sie es selbst nicht mögen. Ihre Kinder kennen daher diese Geschmäcker auch nicht. Viele gestehen, dass gemeinsames Kochen neue Lebensmittel entdeckt – und außerdem Kinder zum Probieren und Miteinander-Zubereiten animiert.

Fazit: Die kindliche Ernährung gleicht aktuell eher einem Wettrüsten zwischen Pasta, Steak und Fertigprodukten – dabei wäre ein bisschen mehr Gemüsekreativität keine Zauberei. Wer zusammen kocht, probiert mehr. So bleibt der Kampf ums Gemüse vielleicht bald Geschichte – und die nächste Pastinake wird nicht mehr als Schreckgespenst durch die Küche gejagt.

 

Clara Hoffmann
Verfasst von Clara Hoffmann

Clara Hoffmann ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt auf Gesellschaft, aktuelle Themen und Psychologie. Sie analysiert gesellschaftliche Entwicklungen, zwischenmenschliche Fragen und die psychologischen Hintergründe des Alltags mit Klarheit und Feingefühl.

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