Was Hochbegabte morgens anders machen: Diese überraschende Routine verändert alles

 

Frühaufsteher mit Turbohirn – wie Hochbegabte den Morgen anders leben (und warum das niemanden wirklich überrascht, der sie kennt)

Morgendliche Magie: Wenn das Gehirn auf Hochtouren kommt

Bei Menschen mit hohem intellektuellen Potenzial (kurz: HPI, IQ ≥ 130) beginnt der Tag ein wenig anders. Die ersten Minuten nach dem Aufwachen sind bei ihnen ganz besonders – ihr Verstand springt förmlich aus dem Bett, oft sogar schneller als der Körper selbst. Das liegt an einem Geist, der wirklich nie stillsteht. Und genau das zeigt sich in einer speziellen Morgenroutine, die viele HPI-Menschen wie selbstverständlich übernehmen.

Während der Rest der Welt noch überlegt, ob man jetzt aufstehen sollte oder doch noch einmal umdreht, haben HPI-Kinder und -Erwachsene schon ihre eigene Methode gefunden, dem Zauber des Morgens zu begegnen. Doch was steckt dahinter? Lassen wir die Wissenschaft sprechen:

Was die Forschung sagt: Schlafstrukturen bei Hochbegabten

Wissenschaftliche Studien haben deutliche Eigenheiten im Schlafverhalten von Hochbegabten belegt. Besonders interessant ist hier eine Studie unter Leitung von Dr. Revol, Chef des kinderpsychiatrischen Dienstes am neurologischen Krankenhaus des Universitätsspitals Lyon und Experte für hochbegabte Kinder.

In dieser Untersuchung aus dem Jahr 2003 wurden 196 HPI-Kinder mit 226 sogenannten „Kontrollkindern“ im Alter von 8 bis 11 Jahren verglichen. Dabei zeigte sich:

  • HPI-Kinder durchlaufen im Schnitt 6,4 Schlafzyklen pro Nacht (die Vergleichsgruppe nur 4,2).
  • Diese Schlafzyklen sind kürzer und dauern etwa 70 Minuten, während sie bei anderen Kindern rund 90 Minuten betragen.
  • Die besonders intensive REM-Phase – in der das Gehirn so richtig loslegt – beginnt bei HPI-Kindern früher in der Nacht.
  • Gegen Morgen dominiert bei ihnen leichter oder REM-Schlaf.

Kurz: Während andere Tiefschlaf praktizieren, scheinen Hochbegabte auf nächtlichen Gehirnmarathon gepolt zu sein.

Schneller denken, anders träumen – auf die Plätze, fertig, wach!

Arielle Adda, Psychologin und Spezialistin für Hochbegabte (und Autorin des Buchs “De l’enfant à l’adulte doué, construire sa personnalité”, das im Februar 2025 erscheint), hat dafür eine schlüssige Erklärung: Hochbegabte verarbeiten Informationen schneller als der Durchschnitt. Besonders im REM-Schlaf, wenn das Gehirn sortiert, ordnet und ablegt, läuft der Denk-Apparat dieser Menschen auf Hochtouren.

Das bleibt auch nicht ohne Folgen für die Träume: HPI-Kinder träumen sehr dicht, was auf hohe nächtliche Gehirnaktivität hinweist, wie Arielle Adda bestätigt. Ihr Kopf bleibt buchstäblich immer in Bewegung – selbst, wenn der Rest des Körpers schlummert.

Doch das bedeutet auch: Wenn der Morgen dämmert, sind sie oft schon startklar.

Frühes Aufstehen: Ursache für den Wissensdurst?

Und das bringt Herausforderungen mit sich. Adda berichtet, dass viele Eltern ihr erzählen, ihre hochbegabten Kinder würden sehr früh aufwachen – manchmal schon ab 5 Uhr morgens. Im Bett zappelig werden oder gleich aufspringen: keine Ausnahme!

Wichtig: Das frühe Wachwerden ist kein „Geheimcode“ für Genie – bitte jetzt nicht jedes Frühaufsteher-Kind taufen lassen! Aber: Es ist eine klar zu beobachtende Gewohnheit bei vielen Kindern mit hohem intellektuellem Potenzial.

Was machen diese kleinen Denker also nach dem Aufwachen? Sie greifen – sofern ein Buch in Reichweite liegt – begeistert zur Lektüre. Hochbegabte ziehen das Lesen quasi magnetisch an, bestätigt Adda. Hier entsteht eine fast automatische Routine: Lesen als erste Amtshandlung des Tages!

Manche Eltern reagieren darauf allerdings mit dem Entfernen sämtlicher Bücher aus dem Kinderzimmer. Grund: Die Lektüre am frühen Morgen verhindert oft das Wiedereinschlafen, und auch kleine Genies brauchen ihren Schlaf. “Sie bleiben Kinder mit Schlafbedarf”, betont Adda.

  • Frühes Aufstehen ist häufig, aber kein eindeutiges Indiz für Hochbegabung.
  • Bücher am Bett führen bei Hochbegabten schnell zu sehr früher Lektüre.
  • Zu wenig Schlaf bleibt – ob HPI oder nicht – ungesund.

Fazit: Hochbegabte starten mit dem Turbo ins Leben – auch und gerade am Morgen. Ihr Gehirn bleibt selten im Stand-by, und Lesen nach dem Aufwachen ist für viele keine lästige Pflicht, sondern pure Freude. Die Herausforderung für Eltern: das richtige Maß zwischen Wissensdurst und Schlaf zu finden. Mein Tipp (ganz ohne Mathe-Olympiade am frühen Morgen): Gönnen Sie den kleinen Frühaufstehern ab und an das verlängerte Ausschlafen – das Buch läuft nämlich nicht davon!

 

Clara Hoffmann
Verfasst von Clara Hoffmann

Clara Hoffmann ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt auf Gesellschaft, aktuelle Themen und Psychologie. Sie analysiert gesellschaftliche Entwicklungen, zwischenmenschliche Fragen und die psychologischen Hintergründe des Alltags mit Klarheit und Feingefühl.

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