Archäologen im Amazonasgebiet sind aus dem Häuschen – und das zu Recht! Eine Entdeckung, die mit einem umgestürzten Baum begann, wirbelt buchstäblich jahrzehntelange Vorstellungen davon durcheinander, wie einst die riesigen Überschwemmungsgebiete des Regenwaldes besiedelt waren. Vorhang auf für prähistorische Urnen, indigene Ingenieurskunst und ein Gemeinschaftsprojekt, das beweist: Das Amazonasgebiet ist voller Überraschungen.
Ein umgestürzter Baum und ein archäologischer Paukenschlag
Ohne Windbruch gäbe es keine Sensation! Als zu Beginn des Jahres 2025 in der Gemeinschaft São Lázaro do Arumandubinha im mittleren Solimões ein Baum stürzte, ahnte noch niemand, dass dies der Startschuss einer der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen Amazoniens in jüngerer Zeit sein würde. Unter den freigelegten Wurzeln lagen – Überraschung – zwei gewaltige Keramikgefäße verborgen. Walfredo Cerqueira, Verwalter bei den lokalen Pirarucu-Fischern, witterte sofort deren potenzielle Bedeutung. Er rief kurzerhand den örtlichen Priester an, der wiederum das Mamirauá-Institut im entfernten Tefé alarmierte. Ein entschlossenes Forscherteam war schnell zusammengestellt.
- Nicht die Chinesische Mauer: Diese Struktur sieht man wirklich vom All aus
Nicht die Chinesische Mauer: Diese Struktur sieht man wirklich vom All aus
- Im Wartezimmer der Polizei: Mann nimmt plötzlich Drogen vor den Beamten
Im Wartezimmer der Polizei: Mann nimmt plötzlich Drogen vor den Beamten
Urnen, Knochen und ein Ritual zwischen Leben und Tod
Nach abenteuerlichen Anreisen per Boot, Kanu und Fußmarsch durch dichte Wälder erreichten die Archäologen den Fundort Lago do Cochila in Fonte Boa. Hier wurden die Erwartungen übertroffen: Sieben riesige Urnen, einige bis zu 350 Kilogramm schwer, kamen rund vierzig Zentimeter unter der Erde zum Vorschein. Das Gewicht lässt erahnen, wie viel Mühe mit dem Verbergen der Gefäße verbunden war. Noch spannender: Erste Analysen in den Keramiken förderten Fragmente von menschlichen, Fisch- und Schildkrötenknochen zutage – Hinweise auf komplexe Riten, in denen Bestattung und Nahrung miteinander verwoben waren. Nach Einschätzung der Wissenschaftler handelt es sich um einen seltenen, Jahrtausende alten Beweis indigener Bestattungs- und spiritueller Praktiken, die weit vor der Ankunft der Europäer existierten.
Künstliche Inseln, indigene Ingenieurskunst und das Erbe Amazoniens
Der Fundplatz ist viel mehr als ein Loch im Boden: Er gehört zu einem Netz künstlicher Inseln, die vormals von indigenen Gemeinschaften in den jährlich überfluteten Gebieten angelegt wurden. Wie Archäologe Márcio Amaral erklärt, wurden diese Plateaus aus Erde und Keramikscherben hochgezogen, um auch während der Flutperioden Raum für Wohnungen und soziale Aktivitäten zu schaffen – ein Beispiel für indigene Ingenieurskunst vom Feinsten! Amaral betont: “Das ist eine hochentwickelte Technik, die auf große territoriale Kontrolle und eine beachtliche Bevölkerungsdichte in früheren Zeiten hinweist.” Die wohl unter ehemaligen Häusern eingelagerten Urnen unterstreichen: Das amazonische Überschwemmungsland war kein Durchgangsposten, sondern dauerhaft besiedelter Boden.
- Urnen ohne erkennbare Deckel – wahrscheinlich mit längst verrottetem organischem Material verschlossen.
- Unbekannte, eigenständige Keramiktradition – geprägt von grünlich-gelblichem Ton und roten Engoben.
Ein Fund, der die bisherige Klassifizierung amazonsicher Keramikkunst ordentlich durcheinanderwirbelt.
- Dieser kleine Trick im Gefrierfach kann Sie vor Lebensmittelvergiftung schützen
Dieser kleine Trick im Gefrierfach kann Sie vor Lebensmittelvergiftung schützen
- Geblitzt und dann beglückwünscht: Warum diese Fahrer Lob statt Strafe bekamen
Geblitzt und dann beglückwünscht: Warum diese Fahrer Lob statt Strafe bekamen
Gemeinsame Ausgrabung, logistische Meisterleistung und ein langer Weg ins Labor
Was in Europa der Bagger erledigt, wird in Amazonien Handarbeit mit Teamgeist. Die lokale Bevölkerung war von Anfang an involviert – nicht nur beim Graben, sondern auch beim Bau hängender Holzkonstruktionen und beim schwierigen Transport der tonnenschweren Urnen. Archäologin Geórgea Layla Holanda beschreibt eine akribisch geplante Operation: „Wir haben Plastikfolie, Gips, Luftpolsterfolie und Holzträger verwendet. Nichts wurde dem Zufall überlassen, jedes Detail war durchdacht.“ Nach Tagen, die mit vorsichtiger Navigation auf dem Wasser gefüllt waren, landeten die Schätze schließlich im Mamirauá-Labor. Dort werden sie derzeit untersucht.
Um endgültig herauszufinden, wie alt das Ganze ist – könnte es 500, 1.000 oder gar 3.000 Jahre zurückreichen? –, fehlt noch die berühmte C14-Datierung. Ein wenig Finanzspritze braucht es also noch, um das Zeitfenster endgültig zu öffnen.
Fazit: Diese Entdeckung wirft ein völlig neues Licht auf die Geschichte des Amazonasbeckens: ein Gebiet, in dem Wissen, Technologie und Spiritualität Wurzeln schlugen – und das bis heute in den Händen der lokalen Gemeinschaften fortlebt. Wer also dachte, die Regenwaldplains seien einfach nur sumpfig und leer gewesen, darf jetzt umdenken (und bitte an nichts rütteln, was große Wurzeln hat, man weiß nie…!).