Vergessen Sie die alte Mär von der Chinesischen Mauer, die Sie angeblich vom All aus mit bloßem Auge sehen – die Wahrheit ist erfrischend anders und führt uns nicht nach Fernost, sondern ins sonnige Südeuropa. Bereit für eine Überraschung?
Die große Verblendung: Wie sichtbar ist die Chinesische Mauer wirklich?
- Die Chinesische Mauer erstreckt sich über gewaltige 8.851,8 Kilometer durch China – eine Länge, bei der sich so manches Navi verschlucken würde.
- Vermutlich denken viele: Wer so riesig ist, muss doch vom All aus ein echter Hingucker sein, oder?
Doch dem ist nicht so. Der Grund liegt im Material und der Umgebung: Die Mauer besteht größtenteils aus demselben Stein, der auch in den umliegenden Bergen vorkommt. Sie fügt sich also naturnah in die Landschaft ein und tarnt sich regelrecht vor neugierigen Satellitenaugen.
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Zudem verlaufen über 2.000 Kilometer dieser Mauer parallel zu natürlichen Hindernissen wie Flüssen und Bergen – und rund 360 Kilometer sind nichts weiter als Gräben. Bei Nacht leuchtet die Mauer nicht, was sie von urbanen Lichtspielen weit entfernt. Für Astronauten und Satelliten ist sie damit schwieriger zu erkennen als so manche gut ausgebaute Landstraße.
Der Mythos, dass die Mauer sogar vom Mond aus zu sehen sei, stammt aus einem britischen Brief aus dem 18. Jahrhundert – ein klassisches „Man könnte ja meinen …“. Selbst Neil Armstrong, der Mann mit dem beindruckendsten Schritt der Geschichte, widerlegte diese Legende: Beim Blick aus der Nähe zur Erde war von einer Mauer weit und breit nichts zu erkennen.
- Aus den 350.000 Kilometern Mondentfernung bleibt die Mauer praktisch unsichtbar.
- Sogar aus typischer Satellitenhöhe (100 Kilometer über der Erde) ist die Unterscheidung zwischen Mauer und Landschaft ein echtes Suchspiel.
Der wahre Star aus dem All: Das „Meer aus Plastik“ in Südspanien
Wer wirklich sichtbar ist, überrascht und ist alles andere als berühmt: Die Rede ist von den Gewächshäusern von Almería (Los Invernaderos de Almería) im Süden Spaniens.
- Dieses riesige Areal bedeckt mehr als 40.000 Hektar und wird daher oft als „Meer aus Plastik“ bezeichnet.
- Laut Pedro Duque, dem ersten spanischen Astronauten, schimmern die weißen Plastikdächer der Gewächshäuser von der Internationalen Raumstation ISS aus sichtbar in der Sonne.
Die reflektierende Plastikfläche hebt sich so stark ab, dass sie sogar aus hohen Atmosphärenschichten hervorsticht – ein kurioses Zeugnis menschlicher Landwirtschaft zwischen Tomaten und Paprika.
Glanz und Schatten der Landwirtschaft: Wirtschaftlich wichtig, ökologisch heikel
Die Gewächshäuser sorgen für einen Großteil unserer europäischen Gemüse- und Obstversorgung. Doch dieser glänzende Eindruck hat auch dunkle Seiten:
- Das verwendete Plastik verschmutzt die Umwelt erheblich und gefährdet das lokale Ökosystem.
- Greenpeace Spanien warnt, dass Produktion, Nutzung und Entsorgung des Plastiks Flora und Fauna vor große Probleme stellen.
- Die Abhängigkeit europäischer Staaten – etwa Frankreichs – von diesem Agrarmodell macht einen Wandel schwer.
Die ökologischen Fußabdrücke dieser Agrarwüsten sind kaum zu ignorieren. Lösungen zu finden, ist alles andere als einfach, wenn die Nachfrage ungebrochen hoch bleibt.
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Mythen, Wahrheiten und ein Blick in unsere Zukunft
Was lernen wir daraus? Mythen sind hartnäckig, die Realität dagegen oft komplex – und manchmal richtig überraschend. Die Sichtbarkeit unserer Taten reicht heute bis ins Weltall, und was wir dort sehen (oder eben nicht sehen), wirft spannende Fragen auf:
- Worauf richten wir unseren Fokus – auf überholte Legenden oder auf aktuelle Herausforderungen?
- Wie beeinflusst unser Konsumverhalten nicht nur den eigenen Einkaufskorb, sondern sogar den Anblick der Erde aus dem Orbit?
- Können wir lernen, bei unseren größten Leistungen auch langfristig nachhaltig zu denken?
Das Beispiel der Almería-Gewächshäuser zeigt: Auch Details, die uns von unten klein erscheinen, können im großen Ganzen einen gewaltigen Unterschied machen. Daher lohnt es sich, Mythen zu hinterfragen, wirkliche Zusammenhänge zu erkennen – und das Große und Ganze (im wahrsten Sinne) im Blick zu behalten, ob auf unserem Planeten oder direkt aus dem Weltall.