Manche Filme verschwinden leise im Nebel der Zeit. Andere stehen wie Monolithe da – rau, wuchtig, unvergessen. Und dann gibt es noch solche, die auch nach einem halben Jahrhundert kein bisschen Staub angesetzt haben. Willkommen bei der Legende: The Wild Bunch. Seit 1969 trotzt dieser Western allen Trends und bleibt der ungeschlagene Platzhirsch seines Genres.
Ein cineastischer Paukenschlag: Sam Peckinpahs The Wild Bunch
Was macht einen Film wirklich unsterblich? The Wild Bunch, inszeniert vom kompromisslosen Sam Peckinpah und 1969 veröffentlicht, liefert die Antwort mit Nachdruck. Kein nettes Cowboy-Geplänkel, kein romantisierter Blick auf den Wilden Westen – dieser Western schlug damals wie ein Gewitter ein.
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- Bekannt wurde der Film durch seine damals umstrittene Gewalt
- Er setzte mit bahnbrechenden Bildern und innovativer Technik neue Maßstäbe
- Heute ist The Wild Bunch ein Grundpfeiler des amerikanischen Kinos und regelmäßig unter den besten Western aller Zeiten platziert
Und das alles nicht nur durch lautes Getöse, sondern durch echtes filmisches Handwerk und Substanz.
Kein Märchen vom tapferen Cowboy
Wir befinden uns an der Grenze zwischen Texas und Mexiko. Protagonist Pike Bishop (gespielt von William Holden) und seine Bande angejahrter Gesetzloser wagen sich an einen letzten großen Coup. Was als Überfall auf einen Bahnhof beginnt, entwickelt sich rasant zum Desaster, als eine Gruppe Kopfgeldjäger eine tödliche Falle zuschnappen lässt. Was folgt, ist kein westentypischer Spaziergang in den Sonnenuntergang, sondern ein brutaler Roadtrip durch ein vom Krieg verheertes Mexiko.
Auf diesem Pfad werden Loyalitäten immer wieder auf die Probe gestellt und am Ende zählt nur: Wer zerbricht zuletzt?
Peckinpah sprengt die Konventionen
Peckinpah hat nicht einfach einen weiteren Western gemacht. Nein, er hat das Genre neu geboren. Mit Mehrfach-Kameraperspektiven, rasanten Schnitten und mittlerweile ikonischen Zeitlupensequenzen nahm er klassische Schießereien und verwandelte sie in wahre Opern blutigen Dramas. Damals war eine derart stilisierte Gewalt höchst ungewohnt. Viele Kritiker rieben sich verwundert die Augen und wussten erst nicht, was sie mit diesem Spektakel anfangen sollten.
Doch das reine Spektakel täuschte: Hinter all den Patronenhülsen steckte Substanz. Peckinpah selbst sah The Wild Bunch als Spiegelbild einer Zeit, in der moralische Enttäuschung allgegenwärtig war. „Ich habe einen Film über Amerikas schlechtes Gewissen gedreht“, sagte er, deutlich beeinflusst von der Atmosphäre im Vietnamkriegs-Zeitalter. Der Wilde Westen war für ihn kein Ort für Helden, sondern der Schauplatz, an dem Fortschritt gnadenlos alles niederwalzt. Die Grenze zwischen Gut und Böse? Längst verwischt.
Trotz aller Kontroversen räumte der Film damals mehrere Oscar-Nominierungen ab und wurde später von der Directors Guild of America ausgezeichnet. Seine größte Ehrung? 1990 wurde The Wild Bunch in das National Film Registry aufgenommen – und damit für die Nachwelt bewahrt.
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Kontrastprogramm zu Spaghetti und Hollywood-Glanz
Als The Wild Bunch ins Kino kam, waren es gerade die italienischen „Spaghetti-Western“, die weltweit für Furore sorgten. Sie punkteten mit übertriebenen Schießereien, Antihelden und rauem Humor. Namen wie Sergio Leone gaben dem Western-Genre damals einen neuen, coolen Dreh.
Aber Peckinpah ging auf Konfrontationskurs. Sein Blick auf den Westen war alles andere als glamourös: düster, melancholisch, frei von Romantik. Während die italienischen Filme oft Individualismus und schon fast karikierte Männlichkeit feierten, erzählte The Wild Bunch von gebrochenen Männern, die verzweifelt an einer versinkenden Welt festhalten. Die Gewalt – statt cool und ironisch wie beim Spaghetti-Western – war hier schmutzig und absolut real. Am Ende blieb das Publikum nicht nur befriedigt, sondern verstört zurück.
- The Wild Bunch inspirierte Generationen von Filmemachern, darunter Quentin Tarantino und Martin Scorsese
- Das Werk wird bis heute in Filmhochschulen und Rückblicken analysiert
Wer immer noch denkt, Western seien nur müde Cowboys und Duelle um zwölf Uhr mittags, wird hier eines Besseren belehrt. Es geht um Ehre, Verzweiflung und den unerbittlichen Lauf der Zeit – und das auf eine filmische Weise, die auch nach 55 Jahren an Frische nichts eingebüßt hat.
Fazit: Falls du The Wild Bunch noch nicht gesehen hast, wird es höchste Zeit, den Sattel zu schultern! Dieser Film ist kein einfacher Klassiker, sondern ein echtes Filmerlebnis, das daran erinnert, warum Kino überhaupt wichtig ist.