Selbstgespräche? Psychologen enthüllen die erstaunlichen Stärken hinter diesem Verhalten

 

Hand aufs Herz: Haben Sie sich schon mal ertappt, wie Sie beim Spazieren, in der Küche oder neben der Bushaltestelle leise mit sich selbst reden? Keine Panik – Sie sind nicht sonderbar. Im Gegenteil, ein kleiner Plausch mit sich selbst kann überraschende Stärken offenbaren. Psychologen sind sich da einig: Hinter Selbstgesprächen steckt weit mehr als bloße Schrulligkeit.

Reden mit sich selbst – Zeichen von Stärke, nicht Spleen

Für viele gilt das Selbstgespräch als kleiner Ausrutscher in den Wahnsinn, doch moderne Psychologie gibt Entwarnung: Mit sich selbst zu reden, ist nicht nur völlig normal, sondern nachgewiesenermaßen förderlich. Dabei spiegelt diese Gewohnheit oftmals eine ausgeprägte mentale Klarheit, die Fähigkeit, Probleme eigenständig zu lösen, sowie den Umgang mit den eigenen Emotionen wider. Menschen mit einem entwickelten inneren Dialog zeigen laut Wissenschaft häufig starke Eigenschaften, etwa:

  • Kreativität
  • Selbstdisziplin

Das nächste Mal also, wenn Sie beim Murmeln ertappt werden: peinlich berührt dreinblicken ist passé! Betrachten Sie es als einen möglichen Beweis Ihrer inneren Stärke.

Innerer Coach: Wie Selbstgespräche Selbstvertrauen boosten

Wer sich schon einmal vor dem Spiegel Mut zugesprochen hat – etwa vor einer wichtigen Präsentation – darf wissen: Das ist alles andere als eine sinnlose Macke. Sie agieren als Ihr eigener Coach. Mit aufmunternden Worten stärken Sie Ihre Fähigkeiten, Ihr Selbstbewusstsein und erinnern sich daran, dass Sie bereit sind, Herausforderungen anzunehmen. Und falls Ihnen das zu „groß“ erscheint: Auch im Alltag wirkt dieser Effekt. Schon ein kurzes, mutmachendes Selbstgespräch am Morgen hilft, Ihre Wertschätzung und Ihr Vertrauen in die eigenen Stärken dauerhaft auszubauen.

Eine Studie aus 2009 untersuchte die Wirkung motivierenden inneren Dialogs bei jungen Sportlern und belegte: Wer so mit sich selbst spricht, kann sein Selbstvertrauen steigern, Ängste verringern und sogar die Leistung verbessern.

Sich also vor wichtigen Ereignissen selbst zu ermutigen, zeigt Wirkung. Denn Worte haben Kraft – besonders wenn sie an uns selbst gerichtet sind.

Kreativer Krisenmanager: Neue Lösungen durch lautes Denken

Sie kommen bei einem Projekt nicht weiter? Reden Sie mit sich selbst darüber – im wahrsten Sinne! Wer Probleme laut ausspricht, öffnet häufig den Knoten im Kopf. Die Worte fließen irgendwann fast wie von selbst und neue Ideen entstehen. Man erhält sozusagen einen kreativen Gesprächspartner, der Tag und Nacht verfügbar ist.

Auch wissenschaftlich ist das belegt: Eine Studie aus 2023 fand Zusammenhänge zwischen häufig verbalisiertem inneren Dialog, emotionaler Intelligenz und gesteigerter Kreativität. Wer also innerlich redet, kann durchaus kreativer werden und komplexe Aufgaben flexibler lösen.

Im Fitnessstudio übrigens schwören viele auf die Kraft des inneren Selbstgesprächs: Bei den letzten Wiederholungen denken sie “Komm schon, du schaffst das!” – und siehe da, es wirkt! Eine Untersuchung aus 2010 identifizierte insbesondere selbstgestellte Fragen („Schaffe ich das?“) als wirkungsvolle Motivatoren, um ein Ziel zu erreichen. Der innere „Motivator“ kurbelt die eigene Bereitschaft und Leistungsfähigkeit spürbar an.

  • Mehr Motivation
  • Durchhaltevermögen
  • Fokus auf Ziele

Sogar Weltklasseathleten nutzen diesen Trick. Er hilft in manchen Momenten aber genauso der Chefin, dem Schüler oder der Hobbybäckerin – immer dann, wenn ein kleiner Extraschub benötigt wird.

Klarheit, Konzentration und emotionale Intelligenz

Selbstgespräche sind auch ein Booster für Konzentration und Selbstwahrnehmung. In einem Supermarkt-Test erhielten die Teilnehmer beispielsweise die Aufgabe, Objekte zu finden. Wer den Namen des gesuchten Gegenstands laut vor sich hin sagte, fand ihn schneller. Selbstgespräche helfen also, fokussiert zu bleiben und die Aufmerksamkeit zu bündeln.

Wird Ihnen innerlich manches zu viel? Sprechen Sie Ihre Gefühle aus – das kann helfen, sie zu sortieren. Aus psychologischer Sicht sind Menschen, die regelmäßig Selbstgespräche führen, oft besonders selbstbewusst und können effektiv Probleme analysieren, weil sie ihre Gedanken nach außen bringen und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Dieser Prozess ist ein wichtiger Baustein emotionaler Intelligenz.

  • Bessere Selbstwahrnehmung
  • Bessere Problemlösungskompetenz
  • Gestärkter Umgang mit Emotionen

Eine Studie aus 2017 legt sogar nahe, dass Selbstgespräche sowohl die Konzentration erhöhen als auch helfen, Stress abzubauen.

Fazit: Sie sehen, der innere Dialog ist alles andere als Grund zur Sorge. Wer mit sich selbst spricht, zeigt oft eine Vielzahl von Stärken: Selbstwahrnehmung, schnelles Lösen von Problemen, Konzentration, Selbstvertrauen, Kreativität, Motivation und emotionales Gleichgewicht. Also, das nächste Mal, wenn Sie sich beim Monologieren erwischen, denken Sie daran: Das ist kein schrulliges Marottenritual, sondern ein klarer Beweis Ihrer inneren Qualität und persönlichen Entwicklung. Ihre Gedanken sind wertvoll – lassen Sie sie ruhig öfter laut werden (solange Sie nicht mitten in einer Bibliothek sind…).

 

Clara Hoffmann
Verfasst von Clara Hoffmann

Clara Hoffmann ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt auf Gesellschaft, aktuelle Themen und Psychologie. Sie analysiert gesellschaftliche Entwicklungen, zwischenmenschliche Fragen und die psychologischen Hintergründe des Alltags mit Klarheit und Feingefühl.

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