Stellen Sie sich vor: Sie sitzen gemütlich auf dem Sofa, während in Ihrem Wohnzimmer ein Rechenzentrum für wohlig warme Heizung sorgt – und die Heizkostenabrechnung Sie dabei kaltlässt.
Digitale Wärmewunder: Technik, die wärmt – und rechnet
Jean-Paul, ehemaliger Lkw-Fahrer und inzwischen entspannter Rentner, genießt genau das. Seit gut einem Jahr teilen sich zwei große, unauffällig-elegante schwarze Geräte, gekrönt von schicken Holzplatten, seinen Schlaf- und Wohnraum. Anfangs war Jean-Paul verwundert, dass für den Transport und die Installation gleich zwei kräftige Männer anrücken mussten. Kein Wunder, denn es handelt sich eben nicht einfach um Designer-Heizkörper. Die Geräte sind bis an die Zähne mit Elektronik ausgerüstet und als Mini-Rechenzentren getarnt. Kaum eingeschaltet, beginnen sie komplexe Rechenoperationen – wovon Jean-Paul herzlich wenig versteht –, und geben dabei die Abwärme ihrer mikroprozessorgeladenen „Hirne“ direkt an die Wohnung ab.
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Pauline Dussol vom Bereich Rehabilitation der Wohnungsbaugesellschaft Les Chalets erklärt dazu: „Die Computer laufen, aber wer den Auftrag erteilt hat und wohin die Datenströme gehen, weiß hier keiner.“
Ein Experiment für die Zukunft: Innovation beim sozialen Wohnungsbau
Bei der Neugestaltung der Résidence Les Sables in Launaguet bei Toulouse setzte der soziale Vermieter Les Chalets doppelt auf Fortschritt: erstens auf stärkere Dämmung, zweitens auf clevere Innovation. Und so wurden die alten Badewannen kurzerhand zu gemeinschaftlichen Pflanztrögen vor den Gebäuden umfunktioniert – und in Sachen Heizung entschied man sich, zu Zeiten einer Energiekrise, für digitale Heizkörper.
Vertrieben werden die Geräte von Qarnot aus Paris. Deren eigentliches Geschäft ist der Verkauf von Rechenleistung – nun zum Teil ausgelagert in die Wohnungen von Jean-Paul und seinen Nachbarn. Klar, das kostet erstmal: Rund 2.542 Euro steckte Les Chalets pro Wohnung in die Technik, was deutlich mehr ist als ein gewöhnlicher Heizkörper. Dank einer “NoWatt”-Subvention der Region wurde dieses Experiment jedoch finanziell gestemmt.
Heißer Vorteil für die Mieterinnen und Mieter
Der größte Zugewinn landet aber beim Nutzer auf dem Konto. „Die Mieter können die Heizkörper nach Belieben ein- und ausschalten. Wer sich schriftlich oder per Mail beim Betreiber anmeldet, bekommt die Stromkosten monatlich zurückerstattet“, erläutert Solène Chupé, die Leiterin der Résidence.
Jean-Paul selbst jubelt: „Hat sich gelohnt! Im Winter sind meine Stromkosten von 51 auf 29 Euro pro Monat gesunken.“ Die Hightech-Geräte per Smartphone zu steuern – das war ihm dann doch zu viel des Guten, aber nach einer Eingewöhnungszeit versteht er die kleinen Verzögerungen beim Aufheizen und Abschalten. „Man muss sie nicht auf Anschlag stellen, sie brauchen einfach ein bisschen, bis sie reagieren“, empfiehlt der Rentner, der inzwischen andere, klassische Heizkörper in seiner Dreizimmerwohnung abgeschaltet oder gleich ausbauen ließ.
Kein Einzelfall: Bereits drei Viertel der 59 Bewohnerinnen und Bewohner heizen bevorzugt mit Microprozessoren. Nach Angaben von Pauline Dussol sparte jeder Nutzer im ersten Jahr durchschnittlich 293 Euro. Manche Bewohner finden das so toll, dass sie es hemmungslos auskosten – bei ihnen herrschen bis zu 28 Grad und das T-Shirt ist das ganze Jahr angesagt. Sogar Jean-Paul gibt zu, manchmal gar nicht mehr selbst zu heizen, sondern von der Wärme der Nachbarn zu profitieren.
- Eigenständiges Bedienen: Heizung nach Wunsch
- Stromkosten-Erstattung auf Antrag
- Durchschnittliche Ersparnis von 293 Euro im Jahr
- 75 % der Bewohner nutzen die Technologie begeistert
- Geblitzt und dann beglückwünscht: Warum diese Fahrer Lob statt Strafe bekamen
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- Überraschung in der ersten Klasse: Sein Platz besetzt – von einer Gebärenden!
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Akzeptanz und Herausforderungen: Alles eine Frage der Kommunikation?
Damit niemand mit Datenfluten im Wohnzimmer überfordert wird und niemand unabsichtlich das heimische Tropenhaus aufmacht, setzt Les Chalets verstärkt auf Aufklärung per Aushang oder über die hauseigene Concierge. Ziel: zum einen Überhitzung vermeiden, zum anderen die noch skeptischen 25 Prozent von den Vorteilen zu überzeugen. Leicht ist das nicht – nicht jeder will seinen Wohnraum freiwillig in ein Data Center verwandeln.
Ein weiteres Problem gibt es trotzdem: Die generelle Strompreis-Inflation für Mietwohnungen macht die Ersparnis schwerer sichtbar – manchmal zahlen die Bewohner trotz geringerem Verbrauch dieses Jahr nämlich trotzdem mehr.
Fazit: Die Idee, mit digitaler Rechenleistung die eigenen vier Wände zu wärmen, ist verblüffend smart und hat Jean-Paul & Co. bereits echte Einsparungen beschert. Wer also offen für neue Technologien ist und seinem Wohnzimmer einen Hauch von Science-Fiction gönnen will, könnte darin die Zukunft des Heizens entdecken – oder zumindest reichlich Gesprächsstoff für den nächsten Nachbarschaftsplausch gewinnen.