Zurück in Europa – warum ich nach 15 Tagen plötzlich deprimiert war
Kulturschock rückwärts: Von Asien zurück in die „gute alte“ Heimat
Wer schon einmal für längere Zeit im Ausland gelebt hat, wird es kennen: Der Abschied ist schwer, die Rückkehr manchmal noch schwerer. Während viele Geschichten von Expatriates sich um ihre Abenteuer in der Ferne drehen, um das Staunen über neue Gebräuche und das manchmal schmerzhafte Gefühl der Entwurzelung, hört man erstaunlich wenig über das Wiederankommen. Vor allem, wenn der Kulturschock beim Heimkehren zuschlägt.
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Ein besonders deutliches Beispiel liefert der spanische Unternehmer Adrián Díaz. Gestandener Anfang-Fünfziger, Pioniergeist im Gepäck, zog er los nach Asien, genauer gesagt nach China, um dort berufliche Chancen zu ergreifen. Und wie man hört, gelang ihm die Eingewöhnung ins asiatische Alltagsleben ziemlich gut. Doch dann – das Comeback in Europa. Und das war alles andere als berauschend.
Das asiatische Tempo – und die europäische Geduldsprobe
Was macht das Leben in Asien aus, besonders für einen Europäer? Da sind, so berichten Rückkehrer übereinstimmend, ein starker Gemeinschaftssinn, Disziplin, ein bemerkenswerter Servicegedanke und vor allem Tempo. Wer in China oder Südkorea einmal erlebt hat, wie rasant die Abläufe des Alltags sind – vom Kundenservice bis zum Restaurantbesuch – der wundert sich nach Monaten oder Jahren im Ausland über das Schneckentempo, das zu Hause plötzlich an der Tagesordnung ist. Willkommen zurück im Land der Warteschlangen und Antragsformulare!
Nicht nur die Verwaltung hinkt hinterher. Auch in den Bereichen Verkehr, Gastronomie, im Banken- oder Gesundheitswesen vermisst man als Asien-Heimkehrer so einiges an Reaktionsgeschwindigkeit und Digitalisierung. Der oft zitierte „Vorsprung“ Asiens ist plötzlich kein theoretisches Gerede mehr – er liegt als Unterschied direkt zum Anfassen vor einem.
15 Tage, gleiche Gespräche – wenn Heimkehr frustriert
Adrián Díaz schildert im „ConPdePodcast“, wie schon nach zwei Wochen in Spanien das Heimweh nach China einsetzt.
„Ich bleibe 15 Tage, und ich will wieder zurück“, berichtet er offen. Was ihn stört? „Ich gehe in ein Café mit Freunden und höre genau die gleichen Gespräche wie vor 20 Jahren.“ Kurzum: Stillstand satt Aufbruch. Die Herausforderungen seiner Heimat erscheinen ihm wenig verändert. Besonders die „Immobilienblase“, die junge Menschen am Wohnen hindert, bleibt Diskussion Nummer eins. Alles beim Alten eben.
Im Vergleich dazu hebt Díaz hervor, dass in China die wirtschaftliche Entwicklung trotz allem weitergeht. Die chinesische Wirtschaft wächst – aktuell mit 4%, für 2024 sind dort sogar 5% angepeilt (in Spanien lag das Wachstum zuletzt bei 3,2%). Sicher, auch in China ist nicht alles Gold, was glänzt. Díaz weiß, dass dort Vorschriften gebogen werden: „Alle zahlen schwarz. Die Regierung weiß das sehr wohl, lässt es aber laufen – sonst würden ganze Sektoren zusammenbrechen.“
Er kommentiert damit auch die europäische Neigung, an starren Regeln festzuhalten und den innovativen Wirtschaftsantrieb ein wenig aus den Augen verloren zu haben.
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Von Normen, Nostalgie und Neustart-Gedanken
- Viele Rückkehrer sind überrascht, wie behäbig und wenig zukunftsorientiert das eigene Land im Vergleich zu Asien wirkt.
- Alltagsabläufe werden in Europa oft als weniger „dynamisch“ empfunden – nicht nur im Beruf, sondern auch bei Bank, Arzt oder in Bus und Bahn.
- Wesentliche Sorgen der Gesellschaft, wie die angespannte Wohnungslage für junge Menschen in Spanien, scheinen seit Jahrzehnten ungelöst.
- China zeigt sich zwar mit vielen Schwächen, etwa mangelnder Gesetzestreue in der Wirtschaft – dafür aber mit echter Dynamik und Wachstum.
Nach seiner Rückkehr fühlt sich Adrián Díaz wie in einer Blase gefangen, die am globalen Puls vorbeirauscht. Während China an Tempo zulegt, erscheint ihm Europa in vielen Bereichen regelrecht stillgelegt.
Fazit: Wer einmal über den Tellerrand geblickt hat, sieht die eigene Heimat mit neuen, oft kritischen Augen. Der Kulturschock funktioniert eben in beide Richtungen. Ein Trost für Heimkehrende, die sich nach Asien zurücksehnen: Dieser Blick von außen eröffnet nicht nur neue Perspektiven, sondern liefert vielleicht auch den Anstoß, hierzulande ein wenig asiatischen Drive zu wagen – auch ohne Umzug ans andere Ende der Welt!